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„Bauakademie: Was und Wie?“

Der Bund stellt die finanziellen Mittel für den Neubau bzw. Wiederaufbau der Bauakademie am Schinkelplatz in Mitte – die Bauakademie wird somit ein öffentliches Gebäude werden. Was soll in das Gebäude hinein, und welche Gestalt soll die „neue Bauakademie“ haben? Hierüber sprach an diesem Abend im Berlin-Saal der Zentralen Landesbibliothek ein hochkarätiges Podium.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten Anna Jacobi, die Pressesprecherin der ZLB, als Hausherrin und Dr. Melanie Semmer in ihrer Funktion als 2. Vorsitzende des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Berlin e.V. und als Vorstandsmitglied der berliner wirtschaftsgespräche e.V. die Anwesenden. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin wurde 1824 von jungen Bauconducteuren, Studenten wie auch Absolventen der Bauakademie gegründet.

Der Architekturhistoriker und AIV-Schriftführer Dr. Peter Lemburg begeisterte in einem bebilderten Kurzvortrag zur Geschichte der Bauakademie und erläuterte, erläuterte, dass Schinkel hier unterschiedliche Baustile und Konstruktionsprinzipien kombinierend verarbeitete und darin innovativ und „modern“ war. Die Bauakademie wurde zwischen 1831-1834 auf dem Gelände des vormaligen Packhofs der Stadt errichtet. Richtungsweisend waren damals:

  • die Materialität: unverputzter Ziegelstein m. feinstem Terrakottadekor
  • vier annähernd gleichwertig Fassaden mit enorm großflächigen Fesnstern
  • die Kombination „mittelaterliche“ Konstruktion mit „hellenistischen“ Formen als Einheit von Inneren und Äußerem

Schinkel hat in dieses „autobiographischen Bauwerk“ seine vielfach auf Reisen gewonnenen Erfahrungen und seine umfassende humanistische Bildung zur Darstellung gebracht. Dieses sollte beim Neuaufbau des Gebäudes gewürdigt werden.

Anschließend hob die Moderatorin des Abends, Kerstin Lassnig, die Vielfältigkeit des Bauwerks mit Ladengeschäften im Erdgeschoß, Lehr- und Bibliotheksräume der Oberbaudeputation und der Königlich Preußischen Bauschule sowie der privaten Wohnräume der Familie Schinkel hervor – zugleich wies sie darauf hin, dass dieses ab 1920 als Architekturikone betrachtete Bauwerk, kurz nach seiner Errichtung auf Grund seiner Kargheit als Fremdling betrachtet wurde. Von den Berlinern daher auch der „rote Kasten“ genannt.

Die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, freute sich als ehemalige Mitarbeiterin der Deutschen Bauakademie natürlich sehr, dass der Bund das Geld für den Wiederaufbau des Gebäudes zur Verfügung stellt. Das neue Gebäude soll ein öffentliches Gebäude werden. Bei Schinkel haben Inhalt und Form des Gebäudes miteinander korrespondiert, und das soll bei der „neuen“ Bauakademie auch wieder so werden. Der Bebauungsplan (1-208) ist vorgefasst.

Professor Dr. Wolfgang Schuster, 1. Vorsitzender des AIV, trug die Ansicht des Vereins vor, dass vor Ausschreibung des Architekturwettbewerbs bzw. Baubeginn ent-schieden sein sollte, was in das Gebäude hinein kommt bzw. welche Funktion es haben sollte. Hierbei sollte der städtebauliche Kontext unbedingt gewahrt bleiben. Auf den bisherigen Veranstaltungen zur Bauakademie im Rahmen des Dialog-verfahrens hätten die Historie und auch der Denkmalschutz in größerem Masse berücksichtigt werden können.

Architekt Professor Hans Kollhoff stellte den Verein Internationale Bauakademie e.V. vor, der gegründet wurde, um in einer neu errichteten Bauakademie als Ausstellungsgebäude die Bestände der zahlreichen Architektursammlungen zusammen zu führen. Dieses Konzept lässt sich nicht realisieren. Heute setzt sich der Verein dafür ein, dass die Bauakademie eine Plattform für Architektur wird, Symposien veranstaltet werden, auf denen nicht nur Architekten, Ingenieure und Stadtplaner miteinander in Gespräch kommen, sondern auch Investoren und vor allem die Bauausführenden, also auch das Handwerk, mit einbezogen werden. Austausch über die Theorie und Praxis des Bauens. Dieses im Sinne Schinkel, der immer wieder die Frage aufwarf: Was ist eigentlich Architektur? Schinkel ging es darüber hinaus um die Vorbildlichkeit von Architektur.

Professor Dr. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ergänzte seinen Tagesspiegelartikel vom Oktober 2017 dahingehend, dass er in der neuen Bauakademie viel mehr als ein Museum für die Architektursammlungen der Stadt sehe. Die Stadt Berlin selbst sei das Architekturmuseum. Die Bauakademie solle eine Denkfabrik mit Ausstellungs-und Diskussionsplattfom werden, die der interessierten Öffentlichkeit ganz neue Möglichkeiten zur Partizipation geben solle. Zudem könnten zukünftig einzelne Sammlungen eine gemeinsame Ausstellung zu einem wichtigen Thema mit bau- oder stadtplanerischen Bezug veranstalten und in der Bauakademie erhöhte Aufmerksamkeit erzielen.

Frau Senatorin Lompscher betonte u.a., dass im Vorfeld die Trägerschaft geklärt werden muss. Neben internationalem und nationalem Bezug sollte auch der Berlinbezug gewährleistet sein. Möglich wäre die Trägerschaft des Bundes und des Landes Berlins. Als dritter Träger wäre eine Stiftung aus den privatrechtlichen Akteuren denkbar.

Herr Parzinger bemerkte, dass die SMPK gerne als Partner, aber nicht als Betreiber der Bauakademie zur Verfügung steht.

Für Herrn Kollhoff ist es unerlässlich, dass als dritter Träger die privaten Initiativen fungieren.

Aus dem Publikum rief Dr. Christian Müller (Baukammer Berlin) die zerstrittenen Berliner Akteure dazu auf, aufeinander zuzugehen und sich zu einigen, da anderenfalls ausschließlich der Bund die Trägerschaft übernehmen wird. Er sieht die Bauakademie als den Ort des Dialogs der Architekten und Ingenieure miteinander.

Aus dem Publikum forderte Frau Karsten, dass an dem neuen Ort im Schinkelschen Sinne des Vorbilds zukünftige Baustoffe und Energieeinsparung nachgedacht werden solle.
Frau Lassnig warf die wichtige Frage auf: Wieviel Schinkel soll in der Bauakademie sein?
Herr Kollhoff: Man muss beim Bau auch in die ehemalige Struktur des Gebäudes gehen. Das Äußere und die Struktur können nicht Gegenstand des Wettbewerbs sein.
Herr Schuster: Wir haben neue Verordnungen (z.B. Brandschutz). Ob man im Schinkelschen Sinne bauen kann, hängt von der Mithilfe von Politik und Verwaltung ab.
Frau Lompscher vertrat sie die Auffassung: „So viel Schinkel wie möglich.“ Zitat Frau Lompscher: “ Hülle Schinkel – Innen kein Schinkel – geht nicht!“. Die Kreativität der Architekten, aber auch der Baubehörden ist gefragt.
Herr Lemburg riet dringend dazu, dass beim anstehenden Architekturwettbewerb Schinkelkenner mit im Entscheidungsgremium sitzen sollten.
Frau Lompscher erläuterte, dass die Ausschreibung des Wettbewerbs noch vor der Bundestagswahl im September d.J. erfolgen soll.
Frau Lassnig fasste noch einmal wesentliche Aussagend des Abends zusammen:

  • Die Bauakademie soll ein Ort der Zukunft und des Dialogs werden, in der auch Vergangenheit und Gegenwart berücksichtigt werden.
  • Die enge Verbindung von Schinkel und Beuth ist für die „neue“ Bauakademie wichtig und darf nicht vergessen werden.
  • Bei der inhaltlichen Ausrichtung soll auch die Ingenieurbaukunst mit einbezogen werden.
  • In einem künftigen Kuratorium des Trägers sollen neben den Vertretern des Bundes und des Landes Berlin auch die zivilgesellschaftlichen Akteure um die Bauakademie vertreten sein.
  • Für den Architekturwettbewerb wird ein präzises Programm gefordert.
  • Es wird mehrheitlich „so viel Schinkel, wie möglich“ für die Architektur der künftigen „neuen“ Bauakademie gefordert. Schinkel solle „bei der Wettbewerbsauslobung mit am Tisch sitzen“.

Am Ende der (von ca. 70 Gästen) besuchten Veranstaltung ermunterte Frau Lassnig das Publikum, an der nächsten Dialogveranstaltung zur Bauakademie am 22.3.2017 (Stiftung Baukultur) teilzunehmen und sich auch dort aktiv einzubringen.

Presseecho:
Schinkel soll auch Schinkel bleiben, TAZ, 10.3.2017. Den Artikel finden Sie hier


Diese Veranstaltung wurde inhaltlich und organisatorisch betreut durch

Claudia Häuser-Mogge, Kerstin Lassnig und Melanie Semmer, Vorstandsmitglieder

 

 

in Kooperation mit

 

 

 

 

 

 


 

Von | 2017-03-17T11:06:23+00:00 15. März 2017|BWG-Dossiers|Kommentare deaktiviert für „Bauakademie: Was und Wie?“