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BWG Dossiers > Gesprächskreis Kultur, Tourismus, Kommerz > Was wird aus dem Flughafen Tempelhof?

„Was wird aus dem Flughafen Tempelhof? -
Eine kreative Herausforderung für unsere Stadt“

DO§_Foto_Berliner_FlughäfenFoto: Berliner Flughäfen

Durch die Schließung des Flughafen Tempelhof im Oktober diesen Jahres geht eine über 150 jährige Nutzungsphase des Areals als Flughafen zu Ende. Zurück bleibt neben einer 380 ha großen Fläche, die eine außerordentliche stadtentwicklungspolitische
Bedeutung hat, auch ein denkmalgeschützter Gebäudekomplex mit rund 300.000 m2 Fläche. Sowohl das Gelände wie auch die Immobilien sollen nach der Vorstellung des Berliner Senats für die Bereiche der Freizeit, Technologieentwicklung und Wissensvermittlung genutzt werden. Wie die vom Berliner Senat vorgeschlagene Nutzung wahrgenommen wurde, ob das konkrete Verfahren wirksam sei und welche Überlegungen bereits vorliegen diskutierte  Prof. Volkmar Strauch, Vorstand Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.,Staatssekretär a. D. mit Ingeborg Junge-Reyer, Senatorin für Stadtentwicklung,  Ares Kalandides, Stadtplaner - Vorstand Create Berlin e.V. - Mitglied im Tempelhof, Klaus Overmeyer, Landschaftsarchitekt, Wolf Schöde, Geschäftsführer Berlin Brandenburg Aerospace Allianz e.V., Prof. Dr. Guido Spars, Lehrstuhl „Ökonomie des Planens und Bauens“ Bergische Universität Wuppertal - Mitglied im Expertenbeirat Tempelhof sowie  Dr. Helmut Trotnow, Direktor Alliiertenmuseum und  Dr. Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender Studio Babelsberg AG.

Frau Junge-Reyer verwies auf die einmalige bauliche Situation in Europa. Ein innerstädtischer Flughafen mit einer solchen Größe sei in Europa einzigartig. Diesem nun eine Funktion zu geben, stelle eine Herausforderung für Berlin, vor allem aber auch für sie als Senatorin für Stadtentwicklung, dar. Mit dem gewonnen Areal könne eine neue grüne Lunge innerhalb der Stadt entstehen. Nach Vorstellung Frau Junge-Reyers könnte das Gelände aber auch für eine Internationale Gartenschau im Jahre 2017 oder aber für eine Internationale Bauausstellung nutzbar gemacht werden. Vor allem betonte sie, dass eine schnelle und unüberlegte Vermietung des Gebäudekomplexes nicht ihren Vorstellungen entspreche. Erstrebenswert sei eine Zwischennutzung der Gebäude, um anschließend eine effiziente, langfristige Vermietung zu ermöglichen. Bei der dauerhaften Vermietung sei ein Interessenschwerpunkt auf Medien, Kultur und Veranstaltungsräumlichkeiten zu legen. Als Ziel setze sie sich, dass die Umgestaltung des Flughafenareals als Modell für innerstädtische Stadtentwicklung in die Geschichte eingehe.

Herr Kalandides verwies in seiner Funktion als Stadtplaner vor allem auf die Marke Tempelhof. Der Flughafen Tempelhof stelle eine starke Marke dar, die es auch für Nachnutzung zu erhalten gelte. Um dies zu erreichen, müsse weiterhin Offenheit über die Planung und Folgenutzung des Geländes bestehen. Er könne sich einen fliegerischen Bezug in der Nachnutzung vorstellen. Für ihn sei jedoch entscheidend, dass keine ausschließlich museale Nutzung erfolgt, sondern vielmehr eine Kombination aus beispielsweise Kunst und Kultur mit Medien erfolge. Auf diese Weise würde das Areal nicht nur an lokaler, sondern auch an regional bzw. international Bedeutung gewinnen, was der Marke Tempelhof zuträglich sei.

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Quelle: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/staedtebau-projekte/tempelhof/de/zukunft/bausteine.shtml

Nach Ansicht Herrn Overmayers soll das Flugfeld in ein „Wiesenmeer“ verwandelt werden. Berlin sei zwar eine der grünsten Metropolen Europas, jedoch sieht er in der Verzahung von einem Landschaftspark und einem Bebauungsfeld eine zukunftsorientierte Nutzung des freiwerdenden Raums. Den vom Senat inizierten Projektaufruf „call for papers“ begrüßte er und verwies in diesem Zusammenhang noch einmal auf den Pioniercharkter des Projekts. Zweifelsohne wären noch viele Fragen in Bezug auf die Nachnutzung des Flughafengeländes offen. Es handle sich bei der gewaltigen Größe des Projekts jedoch um eine prozeßhafte Stadtentwicklung, für die es unerlässlich sei, Gruppen bzw. Interessenten zu potenziellen Investoren zu machen. So kann das Potential experimentell genutzt werde. Jedoch sollte man sich an der Architektur orientieren und ein Konzept schaffen, dass im Ergebnis zu einem stimmigen und harmonischen neuen Tempelhof führe.

Herr Spars widmete sich auf Nachfrage Herrn Strauchs der Frage, inwieweit die von dem Senat eingesetzte Jury eine ausgeglichene sei. Seiner Ansicht nach ist eine interdisziplinäre Jury geeignet und auch erforderlich. Das von dem Senat gewählte Verfahren bezeichnete er als innovativ, wirksam und sehr ambitioniert. Vor allem aber machte er deutlich, dass Berlin im Gegensatz zu anderen Städten, keinen Flächendruck habe und daher Zeit, um eine langfristige und visionierte Planung vornehmen zu können. Er geht davon aus, dass es sich auf Grund der einmaligen Fläche um ein learning by doing handeln wird.

Die Studio Babelsberg AG folgten dem Aufruf des Senats und reichte einen Vorschlag für die Nachnutzung ein. Ihr fehlt es vor allem an Raum für Außenkulissen. Ehemalige Flughafengebäude sind ideal hierfür wie man an dem Beispiel Prag sieht, wo ein ehemaliges Flughafengelände von einem Filmstudio genutzt wird. Von daher sieht Herr Woebcken in dem Gebäude eine geeignete Ausweichmöglichkeit. So besteht bereist eine Homepage mit dem Namen „Filmhafen Tempelhof“, die eine gemischte Nachnutzung des Geländes vorsieht. Seiner Ansicht nach müsse die treibende Kraft bei der weiteren Planung die Wirtschaftlichkeit sein, die mit einem Filmhafen Tempelhof gegeben sei.

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Foto: Günter Wicker/Berliner Flughäfen

Auch das Alliiertenmuseum sieht die Räumlichkeiten als geeignet an, um diese in ein Museum zu verwandeln. Herr Trotnow machte vor allem darauf aufmerksam, dass Geschichte wichtig für die Zukunft sei und damit Tempelhof ein prädestinierter Ort, um dem Alliiertenmuseum nun einen endgültigen Standort zu geben. Auch verwies er darauf, dass sich in der Sammlung des Museums viele große Stücke befinden, so dass ein Hangar beispielsweise ein geeigneter Ort für ein solches Museum sei. Vor allem aber sei Tempelhof ein authentischer Ort, um Geschichte lebendig darzustellen. Nach seiner Ansicht muss jedoch zunächst ein Nutzungskonzept und anschließend ein Planungskonzept erfolgt, um eine sinnvolle Nachnutzung zu gewährleisten.

Die Identität des Flughafengeländes dürfe nicht verloren gehen lautete die zentrale Forderung von Herrn Schödes. Dies müsse vor allem bei den Planungs-und Nutzungsvorschlägen berücksichtigt werden. Fadenrisse seine zu vermeiden, so dass eine schnelle Realisierung äußerst wichtig sei. Nicht zuletzt um die Marke Flughafen Tempelhof erhalten. Dies könne vor allem durch einen Themenpark Luft-und Raumfahrt geschehen, da man so an der Geschichte des Flughafen Tempelhof unmittelbar anknüpfen würde. Um den Vorschlag zu konkretisieren werde gegen Ende des Jahres ein Konzept für einen solchen Themenpark eingereicht.

Man kann festhalten, dass alle Teilnehmer der Veranstaltung das von dem Senat gewählte Verfahren für durchdacht, innovativ und vor allem wirksam erachten, um eine langfristige und wirtschaftliche Nachnutzung des Geländes zu gewährleisten. Die vorgestellten Konzepte und Vorschläge tragen allesamt der besondere Marke „Tempelhof“ Rechnung und werden sich zum Teil sogar nebeneinander sinnvoll verwirklichen lassen. Insofern machte das Podium – sowohl in seiner Zusammenstellung als auch ob der vermittelten Inhalte - klar, dass die öffentliche Verwaltung zusammen mit kreativen Ideengebern Hand in Hand die Realisierung eines außergewöhnlichen und spannenden Projekts in Angriff genommen haben.

Text:       Philipp Horrichs, Projektleiter Kulturpolitik

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