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Eine Veranstaltung des Gesprächskreises Kultur, Tourismus, Kommerz am 24. Juni 2009 im Max Libermann Haus, Pariser Platz, Berlin:
Stirbt mit der CD die traditionelle Musikindustrie? - Über neue Wege der Vermarktung!
Der Absatz von Tonträgern, insbesondere von CDs, ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Ein Grund hierfür ist in der Digitalisierung zu sehen, da man Musik kostengünstig aber vor allem auch ohne Qualitätsverlust vervielfältigen kann. Hauptsächlich aber hat das MP3 Format die traditionellen Tonträger abgelöst. Es bildeten sich im Internet Tauschbörsen, durch die man einfach, schnell und kostengünstig zu neuer Musik kam. Für die Musikindustrie stellte sich zwangsläufig die Frage, wie sie Verluste eindämmen und dieser Herausforderung begegnen kann. In der Folge versuchte sie dies vor allem auf juristischem Weg. Es kam aber nicht zu dem gewünschten Erfolg, sondern vielmehr zu einem Imageverlust. Die Plattenindustrie hatte sich verzettelt und drohte dabei den Anschluss zu verlieren. Der digitale Musikmarkt wächst unaufhaltsam. Im vorherigen Jahr lag der Anteil der weltweiten Umsätze bei 15% und hat sich damit im Vergleich zu 2005 verdreifacht. Im Moment werden zwar noch etwa 80% der Umsätze mit dem Verkauf von CDs erwirtschaftet. Setzt sich der vorherrschende Trend fort, wird aber in wenigen Jahren der größte Umsatz auf dem digitalen Markt gemacht.
Über die vorherrschende Situation am Musikmarkt und mögliche Handlungsmöglichkeiten, damit die Musikindustrie auch weiterhin gewinnbringend arbeiten kann, diskutierte Herr Harald Asel, inforadio rbb, mit Julia Claren, Geschäftsführerin Dussmann, Andreas Gebhard, Geschäftsführer newthinking communications GmbH, Konrad von Löhneysen, Geschäftsführer ministry of sound, sowie Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbands der Musikindustrie e.V.
Zunächst verwies Herr Michalk darauf,
dass es von seiner Warte aus gesehen keine Krise in der Musikindustrie gebe.
Der Umsatz mit CDs sei in den letzten fünf Jahren stabil geblieben und liege
bei ca. 90%, was durchaus respektabel sei. Die zunehmende Digitalisierung sei
momentan noch kein unüberwindbares Problem, wenn in naher Zukunft das Problem
der Abrechnung der Downloads im Internet gelöst werden würde. Hierfür gebe es
momentan verschiedene Modelle, jedoch läge noch kein einheitliches vor, von dem
alle beteiligten Parteien profitieren könnten.
Nach Ansicht von Herr von Löheysen stehen
momentan 400.000 bis 500.000 legale Downloads bei einem Nummer-Eins-Hit ca.
150.000 bis 180.000 verkauften CDs gegenüber. Vor acht Jahren lag der Verkauf
bei einem Nummer-Eins-Hit bei ca. 1. Mio. CDs, so dass ein Minus von mehr als
300.000 CDs zu verbuchen sei. Er verwies allerdings darauf, dass diese Zahlen
nur repräsentativ für den Markt mit Singles seien. Ein Rückgang der Albumverkäufe
sei momentan hingegen nicht zu verzeichnen.
Auch Julia Claren sieht keinen
Umsatzrückgang im CD-Geschäft. Sie wies vor allem auf die Veränderung in der
Produktion einer CD hin. Diese sei immer preiswerter geworden, so dass
heutzutage ca. 80% aller Bands CDs produzieren würden, wohingegen dieser
Prozentsatz vor 10 bis 15 Jahren noch zwischen 20 und 30% lag. Vor allem machte
sie jedoch auf die verschiedenen Generationen und ihre Gewohnheiten aufmerksam.
So halte besonders die ältere Generation an der CD fest. Allerdings seien auch
bei der jüngeren und jüngsten Genartion wieder ein Trend zu der CD hin zu
erkennen.
Dies liege darin begründet, dass viele junge Bands CDs
veröffentlichen und damit der Trend zur bloßen Online-Veröffentlichung weitgehend
gebannt sei.
Nach Ansicht von Andreas Gebhard
hingegen kann von einem Umbruch gesprochen werden, da die Anzahl der Downloads
stetig steigt und die Konsequenzen, sprich Gewinneinbußen, spürbar sind. Die
Verbreitung von bezahlten Downloads läuft schleppend. Dies hängt vor allem mit
der Tatsache zusammen, dass man bei dieser Art des Kaufs im Anschluss nichts in
der Hand hat, was viele Nutzer zu einem illegalen Download bewegt. Hieraus
resultieren illegale Randphänomene, die zwar auf der einen Seite eine schnelle Verfügbarkeit
gewährleisten, auf der anderen Seite kann es zu einem Qualitätsverlust kommen.
Seine zentrale These ist daher ein neuer Gesellschaftsvertrag zwischen Hörer
und Künstler. Dieser soll zum einen, realisiert durch einen Pauschalbetrag für
bestimmte Plattformen, ein unbegrenztes Downloaden ermöglichen. Auf der anderen
Seite sollen die Künstler, die durch die Internetpiraterie mit den höchsten
Verlust erleiden, eine höhere Beteiligung erhalten.
Man kann festhalten, dass alle
Teilnehmer der Veranstaltung um die Veränderung in der Musikindustrie wissen.
Allerdings liegt keine einheitliche Beurteilung der Situation vor, was zur
Konsequenz hat, dass auch kein einheitliches Vorgehen zur Beseitigung der
Situation besteht. Das Podium macht in sofern deutlich, dass zunächst einmal
die entscheidenden Akteure einen Konsens finden sollten, um anschließend
gezielt an einem wirksamen Konzept arbeiten zu können.
Text: Philipp Horrichs, Projektleiter Kulturpolitik
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