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BWG Dossiers > Wirtschaft, Arbeit und Bildung > Ausgestaltung und Perspektiven – Wie steht es um die Schulreform?

2009_05_26_Schulreform_frie„Ausgestaltung und Perspektiven – Wie steht es um die Schulreform? unter diesem Motto stand eine spannende Abendveranstaltung der Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.

Die Diskussion fand im Abgeordnetenhaus von Berlin, im Sitzungsraum der FDP statt, die ihn eigens dafür zur Verfügung gestellt hatte.

Es war gelungen, die bildungspolitischen SprecherInnen oder bildungspolitischen Akteure aller Fraktionen an diesem Abend gemeinsam ins Gespräch kommen zu lassen: Kathrin Bernikas (Fachgruppe Bildung in Marzahn-Hellersdorf, CDU), Özcan Mutlu (Bildungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen), Mieke Senftleben (Bildungspolitische Sprecherin der FDP), Wolfgang Schimmang (Bezirksstadtrat (SPD) Neukölln) und Steffen Zillich (Bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion).

2009_05_26_Schulreform_Viet 1Moderiert wurde der Abend durch Susanne Vieth-Entus 
vom Tagesspiegel.

Ausgestaltung und Perspektiven

Nach langen Diskussionen um die Schulstruktur in Berlin legte der Berliner Bildungssenator Zöllner einen Reformvorschlag zur „qualitativen Weiterentwicklung der Schulstruktur“ vor. 

Kern der Strukturreform ist die kurzfristige Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen zu so genannten Regionalschulen bis 2010/11. Darüber hinaus soll diese Schulform dann konsequent zu einer Ganztagsschule ausgebaut werden. Die Gymnasien seien, laut Zöllner, zwar reformbedürftig blieben jedoch als zweite Schulform in Berlin erhalten.

Prinzipiell ist zu sagen, dass es für die allgemeine Notwendigkeit einer Schulstrukturreform mehrheitlich eine Zustimmung an diesem Abend gab. In der Frage des Wie, des Wann und der inhaltlichen Ausgestaltung gab es – wie anzunehmen – deutliche Differenzen im parteipolitischen Spektrum.

Welche dieser Punkte dabei umstritten sind, wurde an diesem Abend sehr deutlich.

Von der Hauptschule zur Sekundarschule – Ein reiner Etikettentausch?

Umbenennung oder tatsächliche Veränderung bei der Zusammenführung von Haupt- und Realschule zur Sekundarschule, diese Frage eröffnete die Diskussionsrunde an diesem Abend.
2009_05_26_Schulreform_ZillSteffen Zillich konnte sich hierbei klar positionieren: Die neue Sekundarschule sei sehr gut ausgestattet und aufgestellt. Zudem liege der Fortschritt in der Überwindung der frühen Selektion und der Integration aller Bildungsabschlüsse in die Struktur. Er räumte ein, dass der Veränderungsprozess Zeit brauche und begleitet werden müsse von Lehrerfortbildungen und einer Veränderung der Lehrerausbildung.

Um zu verhindern, dass ehemalige Hauptschulstandorte durch die Stigmatisierung gemieden werden, müssten die Bezirke ein aktives Standortmanagement betreiben.


Zu diesen Aspekten ergänzend, sah Wolfgang Schimmang für das 2009_05_26_Schulreform_SchiSekundarschulkonzept den konsequenten Ausbau der Nachmittagsangebote als wichtiges Element. Damit sei nicht nur der Ganztagsschulbetrieb gemeint, sondern die Integration außerschulischer Professionalität in die Schule. Kathrin Bernikas übte deutliche Kritik an der Reform. Dabei zielte sie insbesondere auf den zeitlichen Umsetzungsrahmen und die inhaltlich-pädagogische Fundierung ab. Die Reform würde die Frage der Qualitätssicherung nicht beantworten, da es an einem inhaltlich-pädagogischen Konzept fehle, welches die Lehrer und Lehrerinnen mitnehme, vorbereite und ihnen Möglichkeiten des ‚Wies’ des zukünftigen Arbeitens aufzeige.

Auch Özcan Mutlu hält – daran anschließend – eine Fort- und Weiterbildungsinitiative für 2009_05_26_Schulreform_Mutlzwingend notwendig. Konkret bedeutet das für den Grünenpolitiker auch, dass es wichtig sei, an die Hochschulen heranzutreten und die Reform der Lehrerausbildung aktiv mitzugestalten. Die gute Ausstattung der Bildungsgänge dürfe sich darüber hinaus nicht auf die Sekundarschule beschränken, sondern müsse von der Grundschule bis zum Gymnasium weiter ausgebaut werden.

Auch aus dem Plenum wurde im Verlauf der Diskussion an diese Punkte angeknüpft. Die Teilnehmer baten insbesondere darum, sich mehr Zeit in der Umsetzung zu lassen, die LehrerInnen besser darauf vorzubereiten und die pädagogischen Rahmenbedingungen zu legen. Dazu gehöre auch die Ausstattung der Schulen mit genügend LehrerInnen, um eine niedrige Klassenfrequenz sicherzustellen. Betroffene Eltern und LehrerInnen spiegelten an diesem Abend, dass sie sich nicht mit ins Boot geholt fühlten in diesem Prozess.

Zwischen Aufnahmetest und Losverfahren

Des Weiteren wurde an diesem Abend auch die Frage nach der Zugangsregelung zu den Gymnasien diskutiert. Über Letzteres war brandaktuell an diesem 26. Mai entschieden worden. Beschlossen wurde, dass die Zugangsregelung bei Überkapazität durch ein schulspezifisches Auswahlverfahren (50% der Plätze) und ein Losverfahren (50% der Plätze) bestimmt wird. Diese Verfahrensweise wurde von den meisten anwesenden skeptisch hinterfragt. Die Gründe dafür lagen vor allen Dingen in der Problem der sozialen Durchmischung der Klassen, der Transparenz der Auswahlverfahren und der juristischen Sicherung des Losverfahrens. Eine anwesende Mutter kündigte direkt an, bei Ablehnung im Losverfahren juristische Schritte einzuleiten. 2009_05_26_Schulreform_SenfMieke Senftleben machte an dieser Stelle deutlich, dass es transparente Kriterien geben müsse, nach denen Gymnasien die SchülerInnen auswählten. Zugangsregelungen seien wichtig, jedoch würde sie statt dem Probejahr dafür plädieren, auch an den Gymnasien die individuelle Förderung möglich zu machen, indem die Lehrerstärke erhöht werde. Das beschlossene Probejahr würde die Gymnasien jedoch nicht zu individueller Förderung anhalten. Auch Stimmen aus dem Plenum sahen hierin eine Möglichkeit der Gymnasien, sich der SchülerInnen „zu entledigen“, die man sich durch das Losverfahren nicht ausgesucht hatte.


Insbesondere bei den Fragen nach den Zugangsregelungen und dem Stellenwert der Gymnasien zeichnete sich ein weiterer Diskussionsbedarf ab. Das Thema der Veranstaltung wird also in den kommenden Monaten viele weitere Fragen und neue Aspekte für Podiumsdiskussionen bereithalten.

Text: Madeleine Sanchino Martinez (Berliner Wirtschaftsgespräche e.V)

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Kathrin Bernikas
(Fachgruppe Bildung in Marzahn-Hellersdorf, CDU)

Özcan Mutlu
(
Bildungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen)

Mieke Senftleben
(
Bildungspolitische Sprecherin der FDP)

Wolfgang Schimmang
(
Bezirksstadtrat (SPD) Neukölln)

Steffen Zillich
(
Bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion)

Informationen zur Schulstrukturreform auf den Seiten der Senatsverwaltung