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Sommerfest der Berliner Wirtschaftsgespräche am 20.06.2009 oder
"Die Line 1" fährt jetzt bis in den Prenzlauer Berg!

2009_06_21_Sommerfest_titelSommerfeste gibt es viele in einer Stadt wie Berlin. Also kommt es auf die Mischung, das Programm und die Kreativität an, um sich abzuheben und anders zu sein. Dies ist den Berliner Wirtschaftsgesprächen an diesem Wochenende – trotz widriger Wetterumstände – erneut unter dem Motto „Ein kreativer Blick auf das ungeteilte Berlin“ gelungen. Dabei machten sie einen Teil ihres Namens zum Programm und Berlin, als eine Stadt in Bewegung und permanenter Veränderung seit dem Fall der Berliner Mauer, zum Dreh- und Angelpunkt dieses Abends.

Im Vorfeld des Sommerfestes waren Berliner Künstler dazu aufgerufen, „einen kreativen Blick auf das ungeteilte Berlin“ zu werfen und kritische Reflexionen zum Thema künstlerisch umzusetzen. In einem intensiven Auswahlprozess hatte die prominente Jury 20 Kunstwerke aus den Einreichungen ausgewählt und an diesem Abend dem Publikum präsentiert. Die Gäste des Sommerfestes waren dazu eingeladen, aus diesen Präsentationen ihren Favoriten zu nominieren.

Somit hatte sich das Sommerfest der Kreativität und Kunst verschrieben. Durch das Motto und das Programm spannte es einen Bogen von Damals 1989 nach Heute 2009. Dies nicht nur durch die prominenten Redner, sondern auch durch die künstlerischen Beiträge.

Als Hauptredner sprach an diesem Abend der Mann mit dem roten Schal, Walter 2009_06_21_Sommerfest_MompiMomper. Als ehemaliger regierender Bürgermeister von Berlin fiel die dramatische Zeit der Wende in seine Amtszeit. Damit wurde Walter Momper an diesem Abend zum Stellvertreter der politischen „West-Berliner“ Akteure. Für den Aufbruch im Ostteil der Stadt und als wichtiger Repräsentant der damaligen ostdeutschen Akteure sprach2009_06_21_Sommerfest_reich
Prof. Dr. Jens Reich, Mitbegründer des Neuen Forums, zum Thema: Siamesische Zwillinge Berlin-Ost Berlin-West - gestern und heute. Beide Redner schafften es, durch ihre spezifischen Reflexionen, die Zeit zurückzudrehen und eine emotionale Dichte der Erinnerung zu erzeugen.

Berlin zwischen Gestern und Heute braucht aber auch ein Heute, und so schlug 2009_06_21_Sommerfest_KisseBarbara Kisseler, Chefin der Senatskanzlei, in Stellvertretung von Klaus Wowereit die Brücke in das Jahr 2009. Das viel bewegte Berlin ist im 21. Jahrhundert angekommen. Berlin, ist da ‚wo Deutschland Zukunft hat’ - seine großen Potenziale: Talente, Technologie und Toleranz.

Natürlich wäre ein solcher Abend nur halb so kreativ, wenn die Reflexionen aus politischer Perspektive nicht konterkariert und gebrochen, also kritisch durch die Kunst kommentiert würden. Mut, dies zu tun, bewiesen die Berliner Wirtschaftsgespräche durch das künstlerische Rahmenprogramm der Diestel und des Gripstheaters. Auch hier wurde die Dualität von Ost und West nicht verlassen. Am 02. Oktober 1953 nahm Die Distel auf Wunsch des Magistratsbeschlusses in der Ostberliner Friedrichstrasse ihr Programm auf. Sie sollte damals als politisches Gegengewicht zu den Insulanern und Stachelschweinen in West-Berlin geschaffen werden. Doch politische Satire und kritisches Kabarett wurden alsbald nicht mehr in jeder Form gewünscht und so bestimmten Direktorenwechsel und Zensur das Arbeiten und kreative Schaffen des Ensembles.

2009_06_21_Sommerfest_DisteAuf dem Sommerfest der Berliner Wirtschaftsgespräche unterhielt Die Distel mit Auszügen aus ihrem Programm und fungierte als Kommentar zur Gegenwart. Mauer in den Köpfen, Globalisierung und arme Wähler - allesamt ironische Bildbrüche und Seitenhiebe, die an diesem Abend nicht nur zum Lachen, sondern, dem Genre gemäß, auch zur kritischen Reflexion anregen sollten.

Das Gripstheater 1969 als Kinder- und Jugendtheater gegründet und nicht weniger populär als Die Distel, kreierte das wohl legendärste und bekannteste Theaterstück zu Berlin überhaupt: Linie 1. 1986 wurde die berühmte Linie 1 uraufgeführt und über Jahre hinweg war es das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Theaterraum. Die bissigen Texte und der zynische Blick auf den 2009_06_21_Sommerfest_Grips‚Moloch’ Großstadt haben ihre Faszination nicht verloren. Auch wenn Berlin sich verändert hat, im Publikum war deutlich zu spüren, dass auch dies ein Blick auf die Stadt ist, der ihnen vertraut scheint, weil er sie so lange begleitet hat.

Ein inszenierter Perspektivwechsel also: Von Technologie und Toleranz zu dem Berlin, dass nicht sexy ist, sondern obszön. Das nicht High-Quality spiegelt, sondern eine Fäkaliensprache, ein ganz unten kennt. Die Ambivalenz zwischen Imperativen und Toleranz, ein Merkmal dieser Stadt: sowohl politisch als auch menschlich und von gesellschaftlichen Gegensätzen durchzogen. An diesem Abend durch die Choreographie des Sommerfestes wird es wieder spürbar: Berlin ist Berlin, weil es beides hat: Ost und West, Höhen, aber auch eigene Abgründe. Es würde wohl niemand so liebevoll über München prophezeihen: München geht baden, denn die Linie 1 kann nur in Berlin im Prenzlauer Berg halten. Und nur aus Berlin kann nach der Linie 1 eine Linie 2 kommen.

2009_06_21_Sommerfest_wallNach etablierter Kunst und etablierten Künstlern wurde der Bogen dann zurückgespannt zu dem gegenwärtigen Blick auf die Geschichte Berlins. Die Jury-Vorsitzende des Wettbewerbs „Ein kreativer Blick auf das ungeteilte Berlin“, Juliane Freifrau von Friesen, verkündete die ersten 3 Sieger des Wettbewerbs und im Anschluss daran den Publikumspreis. Den erstplazierten können sie ab Dienstag in der Stadt sehen, wenn sie einen Blick auf die Plakatwände werfen. Wenn sie keine Gelegenheit hatten, auf diesem Sommerfest einen Blick auf die Kreativität der Stadt zu werfen, gibt es die Möglichkeit einen Kalender zu bestellen, um prismagleich an den unterschiedlichen (Augen)Blicken Berlins der 20 besten Künstlerinnen und Künstler teilzuhaben.

Weitere Bilder finden Sie in der großen Sommerfest-Galerie. Folgen Sie einfach diesem link

Text: Madeleine Sanchino-Martinez
Fotos: Jan- Paul Kupser ()

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Ein besonderer Dank gilt den Unterstützern des Sommerfestes, von denen einige mit Ständen präsent waren.

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