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20 Jahre nach Mauerfall  - Dampferfahrt - Interessante Bauten an der Spree

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Von der Industriebrache zum aufstrebenden Wirtschaftsstandort

Am 14.7.2009 um 17.00 Uhr luden die Berliner Wirtschaftsgespräche zu einer Dampferfahrt auf der Spree ein. Der Streckenverlauf wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Damals teilte die Mauer die Stadt nicht nur an Land, sondern auch im Wasser. Insbesondere die Spree markierte an  vielen Stellen der Stadt den Grenzverlauf. (z.B. Tiergarten/ Mitte; Frieidrichshain/ Kreuzberg) und das Befahren des Gewässers wäre nur mit einem Militärboot der Alliierten möglich gewesen.
Hauptthema der Fahrt an diesem Sommerabend waren die städtebaulichen Veränderungen entlang des Stromes, aber auch die Nutzungsveränderungen, die sich unter anderem durch das Zusammenwachsen der beiden Stadthälften in den letzten 20 Jahren ergeben haben.
2009_07_14_BWG_Spreefahrt_LDie Fahrt begann an der Anlegestelle Gotzkowskybrücke. Dr. Peter Lemburg (Bauhi-storiker) erinnerte  neben vielen historischen Begebenheiten aus dem 19. und 20.Jahrhundert an diverse Ideen und Planungen der Nachwendezeit, die entwickelt und umgesetzt oder auch wieder verworfen wurden.





So wurden die Teilnehmer unter anderem daran erinnert,

Das Gebiet rund um den Berliner Hauptbahnhof wurde von Kerstin Lassnig (Vivico Real Estate) erläutert. Derzeit liegt der große Gebäudetrakt weithin sichtbar inmitten einer Parklandschaft  und Strandbars. Südlich des Bahnhofes haben die Bauarbeiten jetzt begonnen. Ein 2-Sternehotel am Washingtonplatz steht kurz vor dem Richtfest. Auf Grundlage des  preisgekrönten Konzeptes von Oswalt Ungers entsteht  hier das neue Lehrter Stadtquartier.
Das Nutzungskonzept sieht Wohnen, Hotels, Büro, Kultur und Einzelhandel vor.  Hier entstehen Geschäftsgebäude, 2.000 Wohnungen und die entsprechende Infrastruktur. Größte Einzelobjekte sind auf dem Washingtonplatz ein Gebäude in Würfelform und ein Hochhaus nördlich des Bahnhofes, das der französischen Firma Total als deutsche Hauptniederlassung für 550 Mitarbeiter dienen soll. Die Fertigstellung ist für 2012 geplant. An der Heidestraße ist rund um das Galeriegebäude „Halle am Ufer“ ein Kunstcampus mit mittlerweile 19 Galerien für zeitgenössische Kunst entstanden und weitere Galerien planen ihre Ansiedlung. Außerdem soll hier auch die Berliner Kunsthalle für zeitgenössische Kunst entstehen.
Herr Dr. Lemburg wies auf den umstrittenen Bau in der Friedrichstraße vor dem Tränenpalast hin, den er ästhetisch als gelungen bezeichnete. Schräg gegenüber wird das Areal zwischen Friedrich- und Tucholskystraße an der Spree, das bis vor kurzem noch im Dornröschenschlaf lag, von Berliner Investoren entwickelt und sicherlich in den nächsten Jahren zu den Toplagen gehören.
Wieder in der Diskussion ist auch die Gestaltung der Neuen Mitte Berlins. Das heißt in diesem Fall die Bebauung der Freiflächen vor dem Roten Rathaus und dem Marx-Engels-Forum. Während vom Kultursenat zu hören ist, dass man hier wieder das alte historische Berlin auferstehen lassen will, ist die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer entschieden dagegen, all das was historisch an dieser Stelle einmal vorhanden war, wieder neu aufzubauen zu wollen. Da  bereits der Schinkelplatz, das Petriviertel und Rund um das alte Stadthaus in den nächsten Jahren eine dichte Bebauung entstehen wird, plädieren sie und ihre Senatsbehörde dafür, dass am Rathaus eine Parkanlage als grüne Lunge für die dort arbeitende und wohnende Bevölkerung entstehen soll.
2009_07_14_Spreefahrt_ReyerBei der Entwicklung des Mediaspree-Bereiches gilt laut Frau Junge-Reyer städtebaulich folgendes Leitbild:
Bestandsbauten sollen erhalten bleiben und eine wirtschaftliche Entwicklung soll ermöglicht werden Freiflächen an der Spree (unbebaute Freiflächen) sollen in den Stadtraum zurückgeholt werden in Kreuzberg wird bei dem Programm Stadtumbau West der Fokus auf ehemalige Industriegebiete gelegt      
(hier war in den Jahren der Teilung ein Großteil der Westberliner „Senatsreserve“ eingelagert). Diese Gebiete sollen entwickelt und einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Alte Brücken und Verbindungen zwischen Kreuzberg und Mitte/ Friedrichshain sollen wieder aufgebaut werden, wobei Ängste, dass durch leichtere Erreichbarkeit der Autoverkehr in ehemals durch die Mauer abgelegenen Gegenden extrem zunimmt, Entscheidungen verzögern.
Dort wo Häuser direkt am Fluss stehen, muss der freie Zugang zur Spree durch Stege im Wasser geschaffen werden. Frau Junge-Reyer steht den Strandbars grundsätzlich positiv gegenüber. Kein Verständnis hat die Senatorin für Stadtentwicklung aber für die Strandbars, die als Zwischennutzer ebenfalls für den freien Zugang zur Spree demonstrieren, diesen jedoch auf ihren Grundstücken den Besuchern verwehren, da sie Eintritt nehmen.
Frau Junge-Reyer empfindet die Freizeitanlage vor der O2-World an der East-Side Gallery als sehr gelungen. Hier lädt eine große Rasenfläche zum Verweilen am Ufer der Spree ein. Eine Parkanlage mit Rosenbeeten hätte die Senatorin als unpassend für den Ort empfunden. Gegenüber auf Kreuzberger Seite entsteht die Alte Anlegestelle Riedel im historischen Gewand als Terrasse zur Spree. Rund um die O2World ist eine branchennahe Bebauung angedacht: Sportanlagen und Einzelhandel. Gegenüber den Treptowers sind noch 4 ungenutzte Grundstücke. Frau Junge-Reyer wünscht sich hier, dass durch den Bau eines weiteren Towers eine Torsituation entsteht.
Von der Seite der Investoren schilderte Herr Stefan Sihler seine Sicht der Dinge. Er hat 2009_07_14_Spreefahrt_Sihlegegenüber dem Badeschiff bereits vor einigen Jahren Modeshowrooms in ein Lagerhaus gebaut und ist mit Labels I sehr erfolgreich. Ende Juli 2009 wird in der Nähe von Labels I der Neubau Labels II eröffnet. Dann präsentieren hier 70 Modeunternehmen ihre Produkte.
Sihler sieht die Preise für die vier noch verkäuflichen Grundtücke gegenüber den Treptowers als derzeit für zu teuer an, und glaubt, dass sofern der Preis so bleibt, die Grundstücke derzeit nicht bebaut werden.
Stefan Sihler ist außerdem Sprecher der zu Beginn diesen Jahres neu gegründeten Initiative Mediaspree. Man sucht von Seiten der Investoren den Dialog mit dem Senat auf der einen und mit den Gegnern von „Mediaspree“ auf der anderen Seite.
Zum Abschluss erläuterte Herr Wolfgang Hummel (Leiter der Investorenleitstelle beim Senat für Stadtentwicklung) das derzeitige Verhalten der Investoren. Nachdem in den letzten Jahren Berlin sehr interessant war für  ausländische Investoren, vor allen Dingen für Iren und Spanier auf Grund der niedrigen Grundstückspreise, ziehen sich diese derzeit wieder in ihrer eigenen Märkte zurück und warten die Entwicklung der Finanzlage in ihren Herkunftsländern ab.
Gegen 21.00 Uhr erreichte der Dampfer wieder den Ausgangpunkt an der Gotzkowskybrücke und eine sehr informative und kurzweilige Schifffahrt bei schönstem Wetter fand ohne Piraten an Bord ihr Ende.

Text: Claudia Häuser-Mogge ( )

Fotos: Sven Treder

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