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BWG Dossiers > Gesundheitswirtschaft > Was wird aus der privaten Kranken-versicherung? Deutschland und die Niederlande im Vergleich

Die Lage und die Zukunft der privaten Krankenversicherung in Deutschland

Am 09. September 2009 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. in den DRK-Kliniken Westend eine Podiumsdiskussion über die Lage der Privaten Kranken-versicherung in Deutschland und den Niederlande. Auf dem Podium waren Dr. Martin Schölkopf (Bundesministerium für Gesundheit), Christian Weber (Geschäftsführer des Verbandes der privaten Krankenversicherung e. V., Köln), Dr. Karel-Peter Companje (Centre for the History of the Health Insurance, Amsterdam ) und Dr. Ewout van Ginneken (Lehrstuhl für Management im Gesundheitswesen, TU-Berlin).

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Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer der DRK Kliniken Berlin, Prof. Dr. Thomas Kersting, erlebten die etwa 60 interessierten Gäste des Auditoriums eine interessante Veranstaltung.

Dr. Martin Schölkopf eröffnete den Abend mit einen Vortrag zur Lage und der Zukunft der privaten Krankenversicherung in Deutschland. Er meinte, dass in der Privaten Kranken-versicherung (PKV) die Beiträge stärker anstiegen als in der Gesetzlichen Kranken-versicherung (GKV). Weiterhin beklage die GKV in der Regel einen Mitgliederverlust in Richtung PKV von etwa 200.000 zumeist jungen Personen.
Ab dem 01.01.2009 sei auch eine Rückkehr aus der PKV in die GKV nicht mehr möglich. Der neue Basistarif in der PKV, der vergleichbare GKV-Leistungen zum vernünftigen Preis enthalten sollte, beträgt 570 Euro im Monat.
Bis Juli 2009 hätten erst 9.800 Personen einen Basistarif abgeschlossen. Ab den 01.01.2009 sind die Altersrückstellungen innerhalb der PKV zumindest in der Höhe des Basistarifes übertragbar. Gegen diese beiden Regelungen und die 3-jährige Wechsel-sperre aus der GKV in die PKV klagten 2009 29 private Versicherungsunter-nehmen. Diese Verfassungsbeschwerde wurde am 10. Juli 2009 abgelehnt. Es sei auch zu beobachten, dass einige PKV-Unternehmen durch die Finanzkrise betroffen sind. Der Rettungsschirm für die Banken wäre gerade für die privaten Krankenversicherungs-unternehmen sehr wichtig. In Zukunft sollte der Weg zu einem einheitlichen Versicherungsmarkt gegangen werden.

Christian Weber berichtete, dass der Gesetzgeber versuche, mit dem Basistarif die PKV in Richtung der GKV zu bringen. Es solle keine Versicherungspflichtgrenze geben. Bisher betrügen die Altersrückstellungen in der PKV etwa 136 Milliarden Euro für 8,8 Millionen Versicherte. Seiner Meinung nach werde die Nachfrage nach privaten Zusatzversicherungen in Zukunft ansteigen. Einen zusätzlichen Finanzausgleich zwischen PKV und GKV sollte es nicht geben.

Die Lage und die Zukunft der Krankenversicherung in den Niederlanden

Dr. Karel-Peter Companje erklärte, dass seiner Meinung nach die Zweiklassenmedizin in Deutschland ungerecht sei. In den Niederlanden gäbe es keine Zweiklassenmedizin mehr, obwohl auch immer mehr Krankenhäuser privatisiert würden. Außerdem erhielte jeder Versicherte in den Niederlanden eine genaue Rechnung für alle ambulanten und stationären Leistungen, die er in Anspruch genommen hat. Diese Rechnungen sei oft schon zu kompliziert. Ein weiter Unterschied zu den Niederlanden sei, dass die Privaten Versicherungsunternehmen in Deutschland schon seit 1901 der staatlichen Aufsicht unterlägen und damit vom Staat anerkannt sind. In Zukunft sieht er für das deutsche Krankenversicherungssystem zwei Probleme: Der Umgang mit den Alters-rückstellungen in der PKV sei bisher nicht geklärt. Was genau passiert zum Beispiel mit dem Geld, falls es zu einer Bürgerversicherung komme?. Weiterhin gebe es in Deutschland keinen Finanzausgleich zwischen der PKV und der GKV. Die PKV finanziere den Basistarif durch einen internen Finanzausgleich.

Dr. Ewout van Ginneken sprach zunächst über die Probleme des neuen niederlän-dischen Systems ab 2006. Bisher seien über 500.000 Personen nicht versichert. Ferner verstieße die letzte Reform voraussichtlich gegen EU-Recht. Auch die Kopfpauschalen stiegen ständig an. Bisher könnten auch nur 30 Prozent der Verträge zwischen den privaten Krankenversicherern und den Krankenhäusern selektiv abgeschlossen werden.  Die Vorteile der letzten Reform lägen hingegen darin, dass die Patientengruppen an Macht gewonnen hätten. Auch die neuen Kollektivverträge würden sehr gut angenom- men.
Im Vergleich zu Deutschland hätten in den Niederlanden über 90 Prozent der Versicherten eine private Zusatzversicherung. Es gäbe 7500 Formen von privaten Zusatzversicherungen in den Niederlanden. Durch die neue Basisversicherung wäre in dem Bereich auch der Bedarf gestiegen.

Wir danken den DRK-Kliniken Westend für Ihre Gastfreundlichkeit, den Referenten für ihre Beiträge und Herrn Prof. Dr. Helge Sodan für seine Moderation.

Text und Bild: Thomas Schneider M.A., M.E.S. (Berliner Wirtschaftsgespräche)
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