
| Home | Aktuelle Termine | Dossiers | Wir über uns | Gesprächsforen | Mitglieder | Offene Gesprächskreise | Berlin Junior |
BWG Dossiers > Wirtschaft und Finanzen > Herausforderung Demografie. Arbeiten bis 67 – aber wie?
Herausforderung
Demografie: Arbeiten bis 67 – aber wie?

Die Gestaltung des Altersstrukturwandels in Unternehmen ist für den Wirtschaftsstandort Berlin von entscheidender Bedeutung. Der Anteil älterer Beschäftigter wächst kontinuierlich.
Vor dem Hintergrund des Umbaus des Rentensystems (Stichwort: Rente ab 67) stehen vor allem stadteeigene bzw. kommunale Unternehmen mit wenig Fluktuation vor großen Herausforderungen. Am Beispiel der Berliner Stadtreinigung zeigt sich, mit welchen betrieblichen Instrumenten altersgerechte Arbeitsbedingungen und damit die Gesunderhaltung von Beschäftigten ermöglicht wird. Dennoch reichen veränderte Arbeitszeiten, betriebliche Gesundheitsprogramme, veränderte Technik, interne Übergangsmärkte oder Änderungen in der Arbeitsorganisation oftmals nicht aus, um den besonders betroffenen Beschäftigten, wie beispielsweise Müllwerkern, einen langen Verbleib in ihren Tätigkeiten zu ermöglichen, bzw. Beschäftigungsalternativen zu bieten. Betriebliche Handlungsoptionen geraten an ihre Grenzen. Es bedarf vielmehr einer Anpassung von Gesetzen und Tarifverträgen, welche altersgerechte Arbeitsbedingungen unterstützen. Die Politik ist hier im Besonderen gefordert, denn es geht nicht zuletzt um die Konkurrenzfähigkeit städtischer Betriebe im Wettbewerb mit privaten Dienstleistern.
Das Unternehmen
führte bereits Lebensarbeitszeitkonten, Insourcing-Maßnahmen und andere gängige
Instrumente zur Bewältigung des Strukturwandels ein, doch Herr
Scholz-Fleischmann betonte, dass all diese Maßnahmen nicht ausreichten. Ein
Unterstützungsbedarf und das Eingreifen der Politik erachtet er als dringend
notwendig. Im Anschluss an diese ersten Ausführungen stellte Andreas Horst
ebenfalls die Bedeutung der Diskussion um den demografischen Wandel heraus.
Dieser sei (auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive) nicht verhandelbar, es
müsse ein Umdenken einsetzen. Er unterstrich, dass sowohl auf politischer als
auch auf Unternehmensseite schon einige Instrumente erfolgreich erarbeitet und
eingesetzt werden, die Maßnahmen jedoch noch nicht ausreichten. Er stellte vor
allem die Selbstverantwortung der Beschäftigten einerseits und die der
Unternehmen andererseits heraus, um eine Arbeitsfähigkeit (workability)
langfristig zu erhalten. Eine veränderte Einstellung zum Thema Arbeit als
sinnstiftende und wertschöpfende Tätigkeit müsse sich wieder entwickeln. Er würde in der Bevölkerung nicht wahrnehmen, dass die Arbeit als Wert wahrgenommen würde.
An die Ausführungen ihrer Vorredner knüpfte Frau Haupt-Koopmann an,
indem sie zuallererst auf das fehlende Problembewusstsein der Unternehmen
einging. Sie nannte die aktuellen Zahlen, die besagten, dass der Anteil älterer
Beschäftigter an betrieblicher Weiterbildung, wenn diese stattfindet, sehr
gering ist; in Berlin liege er bei etwa 4%. Darüber hinaus bedienen sich etwa
18% der Berliner Unternehmen des Instruments Altersteilzeit, mit der
Konsequenz, dass sich nur „wohlhabende“ Beschäftigte einen früheren Ausstieg leisteten.
Die größten Probleme sieht sie jedoch bei Klein- und mittelständischen
Unternehmen (KMU) mit einer Mitarbeiterzahl unter 10, da hier das Thema demografischer Wandel kaum aufgegriffen wird. Sie plädiert daher für eine
stärkere Sensibilisierung und einen Bewusstseinswandel. Sie fordert, früh im
Erwerbsleben mit gesundheitserhaltenden Maßnahmen zu beginnen, so schon
beispielsweise in der Ausbildung bzw. mit Eintritt in das Unternehmen.
An das Thema Sensibilisierung und Bewusstseinswandel knüpfte Herr Dr. Kriegelsteiner in seinem Beitrag an. Die Chemiebranche schloss neben der Stahlindustrie als erste einen Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Er berichtete über die Hintergründe, die zum Abschluss des Tarifvertrags führten und stellte hier vor allem ebenfalls ein mangelndes Problembewusstsein der Unternehmen dar. Ähnlich der Situation bei der BSR ist es vielen Beschäftigten in der chemischen Industrie nicht möglich, bis 67 zu arbeiten. Die bisherigen Maßnahmen beliefen sich auf Regelungen zur Altersteilzeit, welche so nicht mehr möglich sind. Alternativen würden kaum erarbeitet und erprobt, zum großen Teil auch weil Personalverantwortliche und Führungskräfte das Problem noch nicht verinnerlicht hätten. Seitens des Arbeitgeberverbandes wurde mit der Einführung des Tarifvertrags nun in einem ersten Schritt eine Analyse hinsichtlich des Altersdurchschnitts der Beschäftigten, ihrer Funktion und der Qualität ihrer Arbeit gestartet. In den ersten Ergebnissen zeigt sich, dass diese Art der Bestandsaufnahme bisher nicht geleistet wurde und nun zu einer Art „Aufwachen“ der Unternehmen führt. Es werden Maßnahmen wie betriebliche Zusatzversorgung entwickelt, vor allem ginge es aber um eine Bewusstseinsschaffung sowie die Einsicht, dass der demografische Wandel gestaltbar ist. Zum Thema Gestaltbarkeit berichtete Frau Dr. Sedlatschek über die Arbeit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und stellte heraus, wie wichtig Unternehmen für den Dialog und zur Entwicklung von Instrumenten sind. Der Schwerpunkt liege auf KMUs, denn wie Frau Haupt-Koopmann sieht sie hier die größten Probleme, vor allem im Bereich Fachkräftemangel. Sie berichtete über Erfolge in der Gestaltung und Entwicklung von Instrumenten zusammen mit Unternehmen, die vor allem die Gestaltung eines guten Arbeitsklimas, gesunderhaltende Maßnahmen und Qualifizierung zum Ziel haben. Aus politischer Perspektive stellte Frau Nehring-Venus einen verstärkten Handlungsbedarf fest. Sie sehe noch keine Lösung, das Thema sei aber neben der Gesunderhaltung eng mit dem Work-Life-Balance zu verknüpfen. Für sich zog sie die Schlüsse, verstärkt in die einzelnen Unternehmen zu schauen, da die Probleme sehr differenziert zu bewerten und ein Bewusstsein zu schaffen seien. Eine Möglichkeit liege hier in der Verbandsarbeit.
Mit
der Öffnung ins Publikum wurde der Aspekt Arbeitsverdichtung diskutiert. Die
Frage nach Möglichkeiten der Entdichtung von Arbeit bzw. Reduzierung von
Komplexität wurde gestellt. Hierzu wurde herausgestellt, dass das Thema
Gesundheit noch eher „frisch“ ist und erst mit den Betrachtungen des
demografischen Wandels aufgekommen seien. Partizipation und Mitbestimmung seitens der
Beschäftigten sei hier ein wichtiger Baustein zur Gestaltung.
Im
Fazit zeigt sich, dass es bereits viele aktive Unternehmen gibt, die sich dem
Thema nähern und Instrumente und Maßnahmen entwickeln, von denen man lernen
kann. Dennoch ist das Bewusstsein für einen Veränderungsprozess sowohl bei Unternehmen als auch bei den Beschäftigten noch sehr gering vorhanden. Es müsse
verstärkt Aufklärungsarbeit und 'good practice' geschaffen werden, um die Angst
vor dem Thema zu verlieren.
AKTUELLE HIGHLIGHTS
![]() |
Patientenorientierte Versorgungsforschung – wie kann sie effizienter werden?Mittwoch, 08.02.2012 19:00 Bei der medizinischen Versorgung von Krankheiten in Deutschland werden immer wieder Probleme der Über-, Unter- und Fehlversorgung festgestellt, deshalb wird eine Intensivierung der Versorgungsforschung in Deutschland gefordert.
|
Politisches Frühstück mit Peer SteinbrückDonnerstag, 09.02.2012 08:00 Wege aus der Eurokrise
|
![]() |
Eine Branche mit Tradition: Wirtschaftauskunfteien - Partner der WirtschaftMittwoch, 22.02.2012 19:00
|
![]() |
Simone Solga - Bei Merkels unterm SofaMittwoch, 14.03.2012 20:00 Witzig, politisch, aktuell und frech - so ist das neue Programm "Bei Merkels unterm Sofa" von und mit Simone Solgas
|


|
|
|
|
|
|
|