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„Die grüne Hauptstadt – zur Zukunft der Green Economy in Berlin“
am 12.10.2009

Diese und weitere Fragen stellte der Geschäftsführende Vorstand der Berliner Wirtschaftsgespräche und Moderator der Veranstaltung Dr. Rudolf Steinke dem hochkarätigen Podium. So durfte er Prof. Dr. Claudia Kemfert begrüßen, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Des Weiteren nahm Dr. Stephan Krämer, Vice President Business bei der Converteam GmbH an der Diskussion teil. Auf dem Podium saß zudem Andrea Liesen, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit den Schwerpunkten unternehmerische Nachhaltigkeit und nachhaltige Wertschöpfung am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebe-wertung. Das Podium wurde komplettiert durch Michael Müller, Fraktions- und Landesvorsitzender der Berliner SPD.
Zu Beginn bat Dr. Steinke das Podium darum, den Begriff der Green Economy erst einmal zu umreißen und damit eine gemeinsame Gesprächsgrundlage zu schaffen. Prof. Kemfert erläuterte zunächst die Ursachen des Green Economy Booms. Hauptursache sei die zunehmende Energieknappheit, den sie als Grund und Motor dieser Entwicklung betrachtet. Begrenzte Ressourcen und ein steigender globaler Verbrauch führten dazu, in die grünen Märkte zu investieren. Dem Problem der Energieknappheit solle durch eine Abkehr vom Öl und der Einsparung von Energie begegnet werden. Neben der Energieknappheit stellt der Klimaschutz für Prof. Kemfert die zweite dominante Ursache für das Aufkommen grüner Märkte dar.
Nach diesen ersten Ausführungen versuchte Prof. Kemfert den Begriff der Green Economy zu fassen und betonte zunächst einmal, dass er nicht mit Nachhaltigkeit zu verwechseln sei. Für sie definierten hauptsächlich folgende Bereiche die Green Economy: Energieeffizienz/-sparen, Energieerzeugung, Rohstoffeffizienz, Mobilität, Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft. Auf diesen Gebieten spiele sich ihrer Meinung nach das ab, was man mit Green Economy etikettieren könne.
In diesem Zusammenhang stellte Prof. Kemfert die Notwendigkeit von Investitionen in diesen Bereich heraus und beschrieb das riesige Wachstumspotenzial dieser Branchen – unter anderem mit mehr als 1 Million möglichen Arbeitsplätzen. Man müsse früh investieren, um einen echten Wettbewerbsvorteil zu erringen. Deutschland sei bereits gut aufgestellt, besonders bei den erneuerbaren Energien sei deutsche Technik Weltspitze. Aufholen könne man hingegen bei der Mobilität, wobei man noch stärker auf den öffentlichen Personennahverkehr schauen sollte, auch wenn er bereits gut entwickelt sei. Wo Deutschland aufholen müsse, wäre nach Prof. Kemfert vor allem die Bereitschaft auch mal Risiken einzugehen.
In Bezug auf Berlin deutete sie in dieser ersten Fragerunde an, dass der öffentliche Personennahverkehr und die Elektro-Mobilität und besonders deren Kombination noch Potenziale für mehr Umwelt- und Klimaschutz bieten. Sie forderte insbesondere dazu auf, Leuchtturmprojekte zu fördern. Schließlich weise Berlin weltweit nahezu die meisten Forschungszentren auf.
Im Anschluss daran fragte Dr. Steinke, wie denn die Wirtschaft auf diese neuen Entwicklungen reagiere und welche Erfahrungen das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebe-wertung diesbezüglich gemacht hat. Andrea Liesen wies zunächst darauf hin, dass der Begriff der Green Economy bis heute nicht wirklich definiert ist. Ihrer Meinung nach beziehe sich Green Economy mehr auf Produkte, wohingegen Nachhaltigkeit stärker auf die Ausgewogenheit zwischen sozialen, ökologischen und finanziellen Aspekten abziele. Entgegen dem allgemeinen Eindruck seien gar nicht so viele Unternehmen auf den Zug der grünen Wirtschaft aufgesprungen, sondern würden sehr zaghaft diesen Weg beschreiten. Aber natürlich gebe es dennoch ein spürbar höheres Interesse von verschiedenen Unternehmen als noch vor wenigen Jahren - auch in Berlin - so Liesen.
An Dr. Stephan Krämer richtete sich daraufhin die Frage, welche Erfahrungen er in seinem Unternehmen gemacht habe. Seiner Meinung nach gebe es in der Branche der erneuerbaren Energien tatsächlich einen Boom. Den Grund dafür sah Dr. Krämer in den klaren Regeln und gesetzlichen Vorgaben, die Investitionen planbar und sicher machten. Ein zweiter Boom würde im Bereich der Energieeffizienz zwar stattfinden, jedoch seien die Rahmenbedingungen nicht so klar und abschätzbar, sodass sich kein optimales Investitionsklima bilden könne. Entsprechend forderte er die Politik auf, betriebswirtschaftliche Anreize für Investitionen in die verschiedenen Bereiche der Green Economy zu schaffen.
Dr. Steinke erkundigte sich daraufhin bei Andrea Liesen, was das IZT für Erfahrungen mit Unternehmen gemacht habe und welches Instrumentarium es ihnen in bezug auf mehr Nachhaltigkeit anbiete. Liesen ging hier auf die Technologie-Roadmaps ein, die Zukunftsszenarien erstellen und somit Investitionsentscheidungen unterstützen. Investitionsfördernd wirke nach Liesen alles, was Transparenz und Information fördere. Generell stiegen die Anfragen von Unternehmen kontinuierlich und auch die Akzeptanz von Umweltaspekten in den Investitionsentscheidungen nehme zu.
An Dr. Stephan Krämer richtete Dr. Steinke daraufhin die Frage, ob Berlin ein gutes Pflaster für Investitionen in die Green Economy sei. Dieser wies daraufhin, dass es in Berlin an Referenzanlagen fehle und man deswegen im Ausland Probleme bekomme. Abgesehen davon habe Berlin aber gute Ansätze, wie sich in Adlershof sehen ließe.
Bezug nehmend auf die „Be Berlin“-Kampagne des Landes Berlin wurde Michael Müller nach einem möglicherweise zu geringem Außenwirtschaftsmarketing in Bezug auf grüne Industrien befragt. Dieser wies erst einmal auf die Unterschiede zwischen einer Imagekampagne wie „Be Berlin“ hin, die viele Metropolen mittlerweile eingesetzt haben, und einem Außenwirtschaftsmarketing. Letzteres würde gar nicht so schlecht sein. Gut sei zunächst einmal, dass sich Berlin davon verabschiedet habe, in allem immer Spitze sein zu wollen. Man habe sich auf drei Kompetenzfelder – Gesundheit, Verkehr, Medien – festgelegt. Es werde auch sehr viel für Unternehmen angeboten und auch intensiv gefördert. Sicher könne man aber noch mehr machen. Auch Müller sieht in dem Mangel an Referenzprojekten ein echtes Problem. Zugleich wies er auf die Schwierigkeiten hin, die mit solchen Projekten einhergehen. Es sei ganz einfach so, dass man sich von heute auf morgen juristischen Auseinandersetzungen gegenüber sehe, wenn man neue Projekte vorantreiben möchte. Politik habe mittlerweile Angst, wie sich beim Projekt CCS (CO2-Einlagerungen im Boden) gezeigt habe.
Prof. Kemfert hakte an dieser Stelle ein und wies noch einmal darauf hin, wie wichtig Information und Erklärung für die Bürger sind. Bei Fehlinformationen oder mangelnder Kenntnis einer Materie stellten sich ganz schnell falsche Einstellungen ein. Damit gingen dann Angst und Ablehnung einher. Abschließend meinte sie, dass Deutschland generell ein Marketingproblem habe, es insbesondere im internationalen Geschäft weit unter seinen Möglichkeiten bleibe.
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