
| Home | Aktuelle Termine | Dossiers | Wir über uns | Gesprächsforen | Mitglieder | Offene Gesprächskreise | Berlin Junior |
Die Bilanz des Gesundheitsfonds
Am 25. November 2009 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.
in den DRK-Kliniken Westend eine
Podiumsdiskussion zum Thema: „Was hat
der Gesund-heitsfonds gebracht? Mehr Krisensicherheit, aber weniger
Krankenkassen“. Auf dem Podium vertreten waren Michael Weller (Leiter
der Stabsstelle Politik beim GKV-Spitzenverband), Georg
Baum (Hauptgeschäftsführer der Deutschen
Krankenhaus-gesellschaft), Dr. Martin
Schölkopf (Referatsleiter für
Grundsatzfragen der Gesund-heitspolitik und gesamtwirtschaftliche Aspekte des
Gesundheitswesens beim Bundes-ministerium für Gesundheit), Dr. Uwe Kraffel (stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin) und Dr.
Karel-Peter Companje (Centre for the History Health Insurance in Amsterdam).
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Thomas Kersting (Geschäftsführer
der DRK-Kliniken in Berlin) erlebten die etwa 40 interessierten Gäste eine informative
Veranstaltung .
Dr. Martin Schölkopf berichtete,
dass der Gesundheitsfonds bisher gut funktionieren würde. Im Bundes-versicherungsamt
(BVA) in Bonn seien momentan 20 Personen für den Gesundheitsfonds zuständig. Dadurch
würden momentan jähr-liche Verwaltungskosten von etwa drei Millionen Euro entstehen.
Durch die festen Zuweisungen des Gesundheitsfonds an die Krankenkassen im Jahre
2009 hätten die Krankenkassen auch in der Wirtschaftskrise eine gute
Planungssicherheit.
Im Zuge des 2. Konjunkturpaketes vom Februar 2009 habe die Bundesregierung
Über-brückungshilfen für den Gesundheitsfonds zur Verfügung gestellt, um die Beitragsaus-fälle
durch die Wirtschaftskrise auszugleichen. Die durch die Krankenkassen
aufge-nommenen Darlehen würden bis zum Jahre 2011 gestundet.
Michael Weller erklärte, dass durch die Kassen-Fusionen im Jahre 2009
mögliche Zusatzbeiträge für das Jahr 2009 noch verhindert werden konnten. Als
einzige Kranken-kasse in Deutschland hätte die GBK rückwirkend zum 1. Juli 2009
einen Zusatzbeitrag erhoben. Trotz der zahlreichen Fusionen (Anfang November
2009 gab es noch 184 ei-genständige Krankenkassen, im Januar 2010 werden es noch
170 sein) würden den Krankenkassen die finanziellen Mittel fehlen für ein gute
Versorgungs-/Managementfor-schung, zumal die integrierten Verträge oftmals aus
Kostengründen nicht weitergeführt würden.
Dr. Uwe Kraffel meinte, dass
der Gesundheitsfonds schwer zu verstehen sei. Seiner Meinung nach wäre es
besser gewesen, wenn das BVA am 01. Januar 2009 mehr Info-rmationen über den
Fonds zur Verfügung gestellt hätte. Dennoch sei der Fonds allemal besser als
ein reines Kopfpauschalenmodell.
Georg Baum konstatierte, dass alle
deutschen Krankenhäuser 2009 zusammen etwa 55 Milliarden Euro aus dem Fonds
erhalten hätten. Als Nachteil des Fonds sehe er die un-zureichende
Innovationsförderung für die Leistungserbringer und die Kostenträger. Außerdem sei
der Fonds anfällig für Manipulationen. Die bereits erfolgten und noch erfolgen
werdenden Fusionen würden die Macht der Kassen stärken.
Dr. Karel-Peter Companje stellte der Fondsanalyse die
niederländischen Erfahrungen zur Seite. Er vertrat die Auffassung, dass in
Zukunft auch in Deutschland die richtige Mischung zwischen Steuermitteln und
Prämien gefunden werden müsste. In den Nieder-landen würde die Prämie,
unabhängig vom Einkommen, jetzt schon zwischen 1050 und 1150 Euro im Jahr
liegen. Der Fonds in den Niederlanden differiere dabei leicht vom deutschen
System, denn er müsse nur die Leistungen aus der Basisversicherung ab-decken.
Der Rest würde über Zusatzversicherungen privat von den Versicherten
abge-sichert werden. Die Kassengröße sei seiner Meinung nach nicht entscheidend
für den Erfolg einer Kasse.
Die zukünftige Entwicklung
Dr. Martin Schölkopf betonte, dass im Jahre 2010 im
Gesundheitsfonds von einem Defizit von etwa 7,5 Milliarden Euro ausgegangen werde.
Um dieses Defizit auszuglei-chen und die ab dem 01. Januar 2010 möglichen Kasseninsolvenzen
abzuwenden, hätte die neue Regierung einen 3,9 Milliarden Euro Steuerzuschuss
für den Gesundheitsfonds im Jahre 2010 beschlossen, denn der geplante Zusatzbeitrag
in Höhe von acht Euro hätte die Kosten nicht mehr gedeckt.
In Zukunft soll der Arbeitgeberbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung
in Deutsch-land festgeschrieben werden. Die Arbeitnehmer müssten dann eine
einkommensun-abhängige Prämie zahlen. All diese Veränderungen würden wohl
innerhalb des Gesund-heitsfonds stattfinden. Bei diesem neuen System gelte es
noch zu klären, wie der soziale Ausgleich finanziert werden könnte. Auch der
Beitragseinzug wäre bei einer Abkopplung der Gesundheitskosten vom Lohn nicht
mehr so einfach über den Arbeitgeber möglich. Insgesamt sollte aber versucht
werden, ein einheitliches Versicherungssystem herzu-stellen.
Michael Weller ergänzte, dass 2010 der Gesundheitsfonds die Kosten nur noch zu 96,4
Prozent decken könnte. Um das Defizit in Höhe von 7,5 Milliarden Euro
auszugleichen, wäre ein Zusatzbeitrag von ca. 15 Euro pro Versichertem
notwendig. In Zukunft werde es keine Einheitskasse mehr geben.
Allerdings sollten mehr Einzelverträge zwischen den Krankenkassen und den
Leistungs-erbringern erlaubt werden. Durch den Einfluss der CSU könnte bei der
neuen Gesund-heitsreform wieder die alte Beitrags- oder
Prämienfestsetzungsautonomie der Kassen hergestellt werden. Auch der RSA müsse
dringend weiterentwickelt werden.
Georg Baum betonte, dass durch den 3,9 Milliarden
umfassenden Staatszuschuss im Jahre 2010 zum Gesundheitsfonds der Spardruck auf
die Leistungserbringer abnehmen würde. Gleichwohl sollte nächstes Jahr häufiger
ein Zusatzbeitrag eingenommen wer-den. Da im nächsten Jahr weit über 15
Milliarden Euro Steuermittel im Fonds sind, könn-te der Staatseinfluss auf das
System etwas zunehmen. Besonders die Betriebskassen hätten in den nächsten
Jahren keine Überlebenschance. Auch das Kostenerstattungs-prinzip könnte in
Zukunft, wie bereits in den Niederlanden, auch in Deutschland einge-führt
werden. Der Solidarausgleich sollte in Zukunft lieber über Steuern erfolgen.
Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke beendete die
Podiumsdiskussion mit dem Hinweis , dass
auch die Kinder von Privatversicherten in Zukunft einen Steuerzuschuss bekommen
müssten. Bei allen Reformen sollte die notwendige Solidarität nicht vergessen
werden. In diesem Zusammenhang sollte der freie Marktzugang der
Leistungserbringer inner-halb der EU ermöglicht werden.
Wir danken den
DRK-Kliniken Westend für Ihre Gastfreundlichkeit, den Referenten für
ihre Beiträge und Herrn Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke für seine Moderation.
Text und Fotos: Dr. Thomas Schneider (Berliner Wirtschaftsgespräche)
AKTUELLE HIGHLIGHTS
![]() |
Patientenorientierte Versorgungsforschung – wie kann sie effizienter werden?Mittwoch, 08.02.2012 19:00 Bei der medizinischen Versorgung von Krankheiten in Deutschland werden immer wieder Probleme der Über-, Unter- und Fehlversorgung festgestellt, deshalb wird eine Intensivierung der Versorgungsforschung in Deutschland gefordert.
|
Politisches Frühstück mit Peer SteinbrückDonnerstag, 09.02.2012 08:00 Wege aus der Eurokrise
|
![]() |
Eine Branche mit Tradition: Wirtschaftauskunfteien - Partner der WirtschaftMittwoch, 22.02.2012 19:00
|
![]() |
Simone Solga - Bei Merkels unterm SofaMittwoch, 14.03.2012 20:00 Witzig, politisch, aktuell und frech - so ist das neue Programm "Bei Merkels unterm Sofa" von und mit Simone Solgas
|


|
|
|
|