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BWG Dossiers > Gesundheitswirtschaft > Die Prävention im deutschen Gesundheitswesen

Prävention heute

Am 02. Dezember 2009 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Die Prävention im deutschen Gesundheitswesen“. Auf dem Podium vertreten waren: Dr. Volker Wanek (Abteilung Prävention vom GKV-Spitzenverband), Dr. Oliver Bilke (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bei der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin), Prof. Dr. Wulf Pankow
(Leiter des Institutes für Tabakentwöhnung und Raucherprävention bei der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, Berlin) und Prof. Dr. E. Windler (Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel des Alterns des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf).

Im Anschluss an die Begrüßung durch Prof. Dr. Dr. Alfred Holzgreve (Direktor für Klinische Forschung und Akademische Lehre bei der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH in Berlin) konnten die etwa 100 interessierten Gäste eine lebhafte und informative Veranstaltung verfolgen.2009_12_02_Praev1

Prof. Dr. Wulf Pankow berichtete, dass bei Vivantes etwa 41 Prozent der in diesem Kontext behandelten Patienten rauchfrei würden. Die Motivation sei dabei sehr unterschiedlich. Sie könne ebenso aus der Familie herrühren wie einfach aus der Vernunft heraus, gesund zu leben. Trotz allem seien die Maßnahmen zur Tabakentwöhnung in Deutschland noch lange nicht so gut wie in Großbritannien. Gerade durch hohe Tabaksteuern und durch Verbote könne man in diesem Bereich viel erreichen. In Deutschland gebe es kein nationales Präventions-programm und die Finanzierung durch die gesetzlichen Krankenkassen sei bisher zu gering. Die gesetzliche Krankenversicherung stelle in der Regel nur 100 Euro pro Patient zur Verfügung.

Prof. Dr. E. Windler berichtete, dass in den letzten Jahren große Erfolge bei der Diabetikerprävention in Hamburg erreicht worden seien. Die Quote für einen Heilungserfolg liege bei 2/3 aller Behandelten. Durch einen veränderten Lebensstil seien oft große Verbesserungen zu erreichen. Die finanziellen Aufwendungen hielten sich vielfach in Grenzen, denn oft stünde der starke Wunsch im Vordergrund, einfach gesünder zu leben. Bei Jugendlichen hingegen ließen sich häufiger unvernünftige Verhaltensweisen feststellen. Bei diesem Prozess der Aufklärung könnten vor allem die Medien behilflich sein. Selbst in Hollywood seien die meisten Filmhelden keine Raucher mehr. Aber auch die betriebliche Prävention sei sehr wichtig.

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Dr. Oliver Bilke betonte die Zunahme seelischer Erkrankungen in Deutschland. Davon seien schon sechs von zehn Patienten betroffen. Bei Jugendlichen gelte: 80% aller Jugendlichen könnten heute als gesund bezeichnet werden, dafür wäre aber ein Großteil der übrigen 20% stark krank. Deswegen müsste die regionale Prävention verbessert werden. Speziell in den Berliner Problembezirken sollte eine besonders intensive Betreuung stattfinden. Die soziale Ungleichheit sei auch ein bedeutendes Moment bei der Prävention. Nur ein öffentlich geförderter Gesundheitsdienst könne es schaffen, diese Ungleichheiten abzubauen.

Dr. Volker Wanek konstatierte, dass Deutschland bei Fragen der Prävention nur das Mittelfeld belegt. Gerade Länder wie die Schweiz, Japan und Frankreich seien in diesem Bereich besser aufgestellt. Im Moment würden die GKVs etwa 5 Milliarden Euro für die Prävention in Deutschland ausgeben.

 

Die Prävention in der Zukunft

Prof. Dr. Wulf Pankow betonte, dass die Prävention so früh wie möglich beginnen sollte. Da sei zukünftig in Deutschland noch viel zu tun.

Prof. Dr. E. Windler ergänzte daraufhin, dass man den Menschen in Deutschland die Eigenverantwortung für Ihre Gesundheit nicht ganz abnehmen könne.

Dr. Oliver Bilke erklärte, dass die Behandlung vor Ort in Zukunft auch aus Kosten- und Effizienzgründen viel wichtiger werden würde als die stationäre Behandlung.

Dr. Volker Wanek vertrat die Ansicht, dass die Prävention in Zukunft mehr in der Breite stattfinden solle. Gerade aber auch den sozial Benachteiligten müsste stärker als bisher geholfen werden. Der Markt könne schließlich nicht alles alleine regeln. Nur ein gesamtgesellschaftlicher Finanzierungsansatz, in dem alle beteiligten Institutionen gleich-mäßig ihre Ressourcen in dem Bereich ausbauen würden, könne in Zukunft helfen, größere Präventionserfolge zu erzielen.

 

Wir danken der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften für Ihre Gastfreund-lichkeit, den Referenten für ihre Beiträge und Herrn Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke für seine Moderation.

 

Text & Fotos: Dr. Thomas Schneider (Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.)

 

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Infos & links

Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH 

Bundesvereinigung Prävention und
Gesundheitsförderung e.V.

GKV-Spitzenverband

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie,
TU Berlin

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