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BWG Dossiers > Gesundheitswirtschaft > Die Zukunft des Deutschen Apothekenmarktes

 

2009_02_25_Zukunft_deutscher_Apomarkt_PodiumPodium

Der deutsche Apothekenmarkt heute

Am 25. Februar 2009 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche in den DRK-Kliniken Westend eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Deutschen Apothenmarktes. Auf dem Podium waren Herr Prof. Dr. Hilko J. Meyer von der Fachhochschule Frankfurt am Main, Dr. Valentin Saalfrank als Fachanwalt für Medizinrecht, Ralf Däinghaus in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Doc Morris und Karl-Heinz Resch alsGeschäfts-führer bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.
Im Anschluss an die Begrüßung durch Prof. Dr. Thomas Kersting als Geschäftsführer der DRK-Kliniken in Berlin konnten die etwa 80 interessierten Gäste des Auditoriums eine spannende Veranstaltung erleben.
Prof. Dr. Hilko J. Meyer eröffnete den Abend mit einer Vorstellung des Ist-Zustandes des Deutschen Apothekenmarktes. Er berichtete, dass es momentan 21.000 Einzelapotheken in Deutschland gäbe, somitkäme auf 3800 Einwohner in Deutschland eine Apotheke. In Deutschland gibt es für die Apotheker eine Niederlassungsfreiheit. Die Arzneimittelausgaben betragen momentan etwa 2,6 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen. Im Jahre 2007 machten die deutschen Apotheker einen Umsatz von 36,7 Milliarden Euro. Allerdings sind von 2007 bis 2008 die Arzneimittelpreise stark angestiegen. Das Fremdbesitzverbot sieht vor, das nur ein ausgebildeter Apotheker eine Apotheke führen darf. Durch das Mehrbesitzverbot ist geregelt, das jeder Apotheker nur noch drei weitere Apotheken besitzen darf. Nach einer Klage von Doc Morris im Jahre 2003 entschied der Europäische Gerichtshof (EUGH) den Markt für nichtverschreibungspflichtige Medikamente teilweise zu liberalisieren und den Versandhandel zu erlauben. Im Jahre 2006 begann Doc Morris ein weiteres Verfahren vor dem EUGH. Am 16. Dezember 2008 schlug der Generalstaatsanwalt den EUGH vor das Fremdbesitzverbot nicht aufzuheben. Die im Jahre 2008 geplanten neuen Pic-Up Stellen in den Drogeriemärkten stellen eine neue Herausforderung dar.

Ralf Däinghaus erzählte, dass sein Unternehmen - Doc Morris - im Jahre 2004 schon 500.000 Kunden gehabt hätte. Durch den Internetapotekenhandel im Jahre 2004 hat seiner Meinung nach die Dienstleistungsqualität in den deutschen Apotheken zugenommen. In Berlin gibt es aktuell13 Doc Morris Apotheken. Er meinte, dass viele alte deutsche Apotheker Ihre Apotheken gerne verkaufen würden, aber keinen Käufer fänden. In Deutschland wird für einen Apotheke im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent des Umsatzes als Kaufpreis bezahlt. In England gibt es schon große Apothekenketten mit 20 bis 30 Apotheken.

Dr. Valentin Saalfrank betonte, dass das deutsche Fremdbesitzverbot richtig sei. Er möchte auch in Zukunft einen unabhängigen Apotheker. Nur so wären neutrale Empfehlungen für den Patienten gerade bei nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten möglich. Bisher kann jede Apotheke pharmazeutisch frei bestimmen. Bei einer Übernahme durch Doc Morris würde das Unternehmen die Produktpalette komplett bestimmen und versuchen, den Absatz anzukurbeln. Bei einer Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes könnte dann jeder ordentliche Unternehmer seine Apotheke gründen. Durch diesen Schritt könnte die Arzneimittelsicherheit könnte gefährdet sein. Sogenannte Pic-Up Stellen könnten zu einer Bagatellisierung von Arzneimitteln führen. Allerdings wäre in seinen Augen die Volksgesundheit ein wichtigeres Gut als die marktwirtschaftliche Komponente des deutschen Apothekenmarktes.

Die zukünftige Entwicklung

Karl-Heinz Resch betonte, dass die Zukunft des deutschen Apothekenmarktes pharmazeutisch und nicht ökonomisch entschieden werden sollte. Die bisherigen mittelständischen Versorgungsstrukturen seien gut. Die Versorgung könne jetzt und in Zukunft sichergestellt werden. Allerdings sollte in Zukunft ein Mehrverbrauch verhindert werden. Auch sollten spezielle Hausapotheken ein gutes Medikamentationsmanagement einführen. Im Bezug auf seine zukünftige Unternehmensstrategie stellte Ralf Däinghaus seinen Plan vielleicht in Zukunft etwa 1000 deutsche Apotheken zu kaufen vor. Diese Apotheken würden dann zentral mit einer festen Produktpalette von Doc Morris beliefert werden. Die Werbung für diese Ketten würde der Konzern selbst übernehmen. Die angestellten Apotheker brauchten dann nur noch die nachgefragten Medikamente verkaufen.
Dr. Valentin Saalfrank
betonte, dass auch bei Doc Morris angestellte Apotheker durchaus Patienten gut beraten können.
Prof. Dr. Hilko J. Meyer vertrat die Ansicht, dass eine Liberalisierung des niederländischen Apothekenmarktes im Jahre 2000 und die des schwedischen Apothekenmarktes im Jahre 2009 kein gutes Beispiel für Deutschland sind, da hierzulande der Wettbewerb wesentlich härter werden würde. Außerdem läge das Hauptproblem für die hohen Medikamentenpreise nach wie vor bei der Pharmaindustrie.

Wir danken den DRK-Kliniken Westend für das Sponsoring, den Referenten für ihre Beiträge und Herr Rolf Dieter Müllerfür seine Moderation.

Fotos und Text: Thomas Schneider (Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.)

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