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Dossier Veranstaltung 18.05.2010
Von den Besten lernen – Innovative Unternehmen aus der Region laden ein - Die TOP-Initiative stellt sich vor
Gemeinschaftsveranstaltung BWG e. V. und dem F.A.Z.-Institut
Podium:
Patrick
Merke
stellv. Leiter Innovationsprojekte
F.A.Z.-Institut
Nicole
Warthun
Geschäftsführende Gesellschafterin
com.X Institut für Kommunikations-Analyse & Evaluation
Bochum
Moderation:
Thomas
Zuleger
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Text:
Von den Besten lernen – Innovative Unternehmen aus der Region laden ein -
Die TOP-Initiative stellt sich vor
Innovationskraft und Innovationsgeschwindigkeit sind zwei Merkmale, die deutsche Unternehmen global wettbewerbsfähig machen und somit Garant für das deutsche Wirtschaftswachstum sind. Um diese Kräfte zu bündeln, arbeiten Hochschulen und Unternehmen mittlerweile intensiv zusammen. Der Nutzen liegt dabei auf der Hand. Technologische Neuerungen werden schnell in die Produktionsabläufe der Unternehmen eingebunden und fließen in die Produktentwicklungen ein. Doch können auch Unternehmen von Unternehmen lernen? Der Erfahrungsaustausch in Innovationsnetzwerken ermöglicht diesen schnellen Informationsaustausch, von dem alle Beteiligten profitieren. Das Innovationsnetzwerk TOP bietet diesen Austausch deutschlandweit an und leistet somit einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Initiiert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird das Netzwerk vom F.A.Z-Institut gepflegt und ausgebaut. Die Veranstaltung wurde von Thomas Zuleger moderiert, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Neben Herrn Merke, dem stellvertretenden Projektleiter für Innovationsprojekte des F.A.Z.-Institutes Berlin, konnte Herr Zuleger auch Frau Nicole Warthun, Geschäftsführende Gesellschafterin des com.X Institutes, auf dem Podium begrüßen. Frau Warthun begleitete wissenschaftlich das Projekt.
Nach der Begrüßung durch Philipp Schmidt, Projektleiter für das Ressort „Neue Technologien, Forschung und Wissenschaft“ der Berliner Wirtschaftsgespräche e.V., bat Herr Zuleger Herrn Merke, die Kernmerkmale der TOP-Initiative darzustellen. „Es geht um die Innovationsprozesse von Unternehmen“, sagte Herr Merke. Im Rahmen des Projektes TOP präsentieren und diskutieren Unternehmen ihre internen Innovationsprozesse und tauschen somit ihre gemachten Erfahrungen aus. Herr Merke wies darauf hin, dass somit insbesondere bei der Implementierung neuer Prozesse im Unternehmen, wie z.B. einem systematischen Mitarbeiterbeurteilungssystem, durch den Erfahrungsaustausch Probleme vermieden und Erfolgsfaktoren identifiziert werden. „Warum das Rad zweimal erfinden?“ ist laut Herrn Merke eine der Kernmotive für die TOP-Initiative. Das TOP-Projekt wurde im letzten Jahr wissenschaftlich begleitet. Mit allen Beteiligten wurden Interviews geführt. Die anschließende Frage von Herrn Zuleger an Frau Warthun war, was die Evaluierung ergeben hat. Frau Warthun betonte, dass es einen Nutzen für die Teilnehmer an den Veranstaltungen, aber auch für die Gastgeberunternehmen. 78% der Befragten gaben an, Prozesse im Unternehmen zu verändern oder werden neue Prozesse einzuführen. Die Unternehmen würden dadurch innovativer, wettbewerbsfähiger und sparen somit Kosten. Der Nutzen für die gastgebenden Unternehmen liege insbesondere im Feedback und dem Austausch bei den Veranstaltungen, die sie im eigenen Unternehmen durchführen. Mehr als 80% der Befragten sind nach ihrer eigenen Aussage nach besser geworden. Eine Win-Win-Situation für die Unternehmen.
Auf die Frage von Herrn Zuleger, welche Erfahrungen einzelne Unternehmen insbesondere gemacht hätten, führte Herr Merke das Unternehmen J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH aus Kiel an. Mit dem Ziel, die Mitarbeiter zu motivieren, begann, durch den Geschäftsführer Herrn Schmitt und dem Betriebsleiter Herrn Ahlke initiiert, das Unternehmen vor zwei Jahren einen KVP zu starten. Für Herrn Schmitt bestand der Anreiz für die Teilnahme an TOP darin, zweimal im Jahr an den TOP-Veranstaltungen teilzunehmen und vor allem zwei Veranstaltungen anzubieten, in denen seine Mitarbeiter externen Personen die Prozessverbesserungen im Unternehmen präsentieren konnten. Die in das Projekt TOP eingebundenen 12 Mitarbeiter sind seitdem extrem hoch motiviert und stolz auf die eigene Leistung. Seit Teilnahme an dem TOP-Projekt hat sich das Innovationstempo im Unternehmen erhöht. Das ist auch einer der Hauptgründe für die Unternehmensführung an der TOP-Initiative teilzunehmen, wie Frau Warthun bestätigt. Hauptmotiv ist das Lernen, um noch besser zu werden. Für mehr als 50% der befragten Unternehmen ist die Mitarbeitermotivation wichtig. Ein weiteres Motiv ist der positive Imageeffekt, da die Teilnahme an der Initiative viele Themen für die unternehmenseigene Kommunikation bietet. Der Gewinn des TOP-Ehrenpreises oder des TOP-Newcomerpreises haben positiven Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter und den Vertrieb.
Auf die Frage von Herrn Zuleger, was die Top-Initiative noch für weitere Möglichkeiten biete, antwortete Herr Merke, dass des Weiteren alle teilnehmenden Unternehmen in einem Katalog beschrieben werden, der zweimal im Jahr an einen großen Unternehmensverteiler mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren verschickt wird. Zusätzlich finden weitere themenspezifische Regionaltreffen dreimal im Jahr statt, bei denen sich die teilnehmenden Unternehmensvertreter untereinander und mit Experten zu aktuellen Innovationsthemen auszutauschen. Darüber hinaus tauschen sich die teilnehmenden Unternehmen im Extranet aus, in dem sich derzeit 100 Unternehmen vernetzt haben. „Der Austausch funktioniert sehr gut“, berichtete Herr Merke. Bei so vielen Möglichkeiten, von denen die Unternehmen profitieren, sei der Aufwand sehr gering. Es entstehen keine Aufnahmekosten. Die teilnehmenden Unternehmen planen und führen pro Jahr zwei Veranstaltungen durch. Häufig sind es Betriebsbesichtigungen, berichtet Herr Merke. Die Teilnehmerauswahl finde hier durch das gastgebende Unternehmen statt.
Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten fragte Herr Zuleger in die Runde, ob sich Teilnehmer wegen zu hoher Aufwendungen beklagt hätten. Frau Warthun wies darauf hin, dass die die Teilnahme an der Initiative keine PR-Show sei und die Veranstaltungen auch teilweise bei Konkurrenten stattfinden. Allerdings hätten die Unternehmen gelernt, dass der eigentliche Konkurrent außerhalb Deutschlands ist. Somit erkennen die teilnehmenden Unternehmen verstärkt, dass Kooperationen auch unter Konkurrenten sinnvoll sind. Sie stellte fest, dass derzeit noch ein Nord-Süd-Gefälle in Bezug auf die Teilnahme besteht. Viele Unternehmen der TOP-Initiative sind in Hessen, Baden Württemberg, Bayern, Rheinland Pfalz oder in Nordrhein Westfalen anzutreffen. Wenige Unternehmen sind derzeitig noch im Norden anzutreffen – gar keine Unternehmen derzeit im Land Berlin. Herr Merke vermutet, dass es eine Mentalitätsfrage ist. Er ist seit 6 Jahren im Projekt und glaubt, dass der Norddeutsche eher zurückhaltender ist. Die TOP-Initiative benötigte innovative und vor allem kommunikative Unternehmen. Viele trauten sich nicht den Vergleich zu, obwohl sie durchaus erfolgreich seien. Er habe viele Unternehmen besucht und 80% davon hatten Innovationspotential. In der Regel seien teilnehmende Unternehmen auch sehr gerne Gastgeber, da sie dadurch einen Reputationsgewinn erfahren. Neben dem Nord-Süd-Gefälle ist derzeit allerding auch noch die Branchenverteilung recht einseitig. So sind nach Aussage von Frau Warthun gerade der Großteil der in der TOP-Initiative aktiven Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe; ca. 75% aus Maschinenbau und Fahrzeugbau. Daher sei auch ein Ziel der TOP-Initiative, vor allem eine Ausweitung des Projektes in der Dienstleistungsbranche zu erreichen. Die Unternehmensgröße ist dabei nicht Bemessungskriterium, so Herr Merke. Die TOP-Initiative gibt es seit 1992 und bis jetzt haben über 340 Unternehmen teilgenommen. Im Schnitt nehmen pro Jahr 100-120 Unternehmen aktiv teil. Die Anzahl ist abhängig vom Budget des BMWI. 36% der Teilnehmer tauschen sich über die Veranstaltungen hinaus weiter aus. Somit nutzt jedes dritte Unternehmen die Veranstaltungen zum Austausch, zur weiteren Zusammenarbeit und auch für die Kontaktanbahnung von Kundenbeziehungen.
Abschließend fragte Herr Zuleger, welche Gründe aussteigende Unternehmen im letzten Jahr bei der Befragung angegeben haben. Pro Jahr verlassen 12-15% der teilnehmenden Unternehmen das Projekt, teilt Frau Warthun mit, da ein Abnutzungseffekt beim Feedback eintrete und die Erwartungen bei den Veranstaltungen nicht mehr befriedigt werden.
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