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BWG Dossiers > Gesundheitswirtschaft > Die Zukunft der deutschen Krankenhäuser
Die zukünftige Situation der Krankenhäuser und die monistische Finanzierung

Am
29. Oktober 2008 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche in den
DRK-Kliniken Westend eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Deutschen
Kranenhäuser. Auf dem Podium waren Prof. Dr. Thomas Kersting als Geschäftsführer der
DRK-Kliniken in Berlin, Prof. Dr. Ulrich Frei als Ärztlicher Direktor der Charitè Berlin, Prof. Dr. Dr. Alfred Holzgreve in seiner Funktion als Direktor der Vivantes GmbH Berlin, Jörg Reschke als Geschäftsführer der HELIOS Kliniken GmbH, Georg Baum als Haupt-geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Dr. Thilo Sarrazin in
(Senator für Finanzen des Landes
Berlin).
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr.
Thomas Kersting konnten die etwa 160 interessierten Gäste des Auditoriums
eine spannende Veranstaltung erleben.
Nach Meinung von Dr. Thilo Sarrazin ist die finanzielle Lage der Berliner Krankenhäuser
Charitè und Vivantes momentan stabil. Wichtig ist dabei, dass alle Deutschen
Krankenhäuser kostendeckend arbeiten. Allerdings arbeiten die privaten
Krankenhäuser oft rentabler.
Prof.
Kersting sprach das Zukunftsthema der monistischen Finanzierung an.
Dabei geht es um die alleinige Finanzierung der Krankenhäuser durch die Krankenkassen.
Dadurch würden die deutschen Bundesländer ihren bisherigen Einfluss auf den
Krankenhausbau verlieren. Weiterhin gab Herr Prof. Kersting zu bedenken, dass
eine alleinige interne Organisationsreform in den Krankenhäusern nicht
ausreichen wird, um in Zukunft die ansteigenden Kosten gegen finanzieren zu
können.
Prof.
Frei erklärte, dass in Zukunft die Charitè aus drei klinischen Zentren
bestehen soll: Nerven-, Herz-/Kreislauf- und das Tumorzentrum.
Danach erzählte Prof. Holzgreve, dass Vivantes durch einen zentralen Einkauf versucht
seine Kosten zu reduzieren.
Letztendlich stellte Georg Baum fest, dass die Finanzierung der Krankenhäuser bisher sehr
unstabil ist, ein Investitionsstau im Krankenhausbau in Höhe von etwa 50
Milliarden vorliegt und das ein besserer Inflationsausgleich für die Mehrkosten
der Krankenhäuser geschaffen werden sollte.

Thilo Sarrazin und Thomas Kersting
Daraufhin antworte Dr. Sarrazin, dass die anderen europäischen Länder mit weniger
finanziellen Mitteln im Krankenhausbereich ähnliche oder bessere Ergebnisse
erzielen. Weiterhin betonte er auch, dass die Trägerstruktur der Krankenhäuser
für ihren Erfolg irrelevant ist. Dennoch wird es seiner Meinung nach zu einer
Rationierung der Leistungen auch im Krankenhausbereich kommen.
Um Kosten zu sparen sollten nach Meinung von Prof. Frei in Zukunft viele Leistungen eher ambulant erbracht werden.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Zugang
zu den Deutschen Krankenhäusern immer noch sehr gut ist und das Patienten aus
EU-Ländern mit langen Wartezeiten gerne nach Deutschland kommen. In Zukunft
muss aber weiterhin sichergestellt werden, dass die Krankenhäuser ihren
Sicherstellungsauftrag erfüllen können.
Die neuen Qualitätsstandards
Jörg Reschke betonte die die deutschlandweit einmaligen Qualitätsstandards des
HELIOS Konzerns. Er erklärte, dass bei HELIOS die medizinischen Routinedaten
ausgewertet werden und dass auch der Erfolg nach der Behandlung genau geprüft
wird. Seiner Meinung nach wird durch die Qualitätsstandards die Transparenz für
die Patienten enorm erhöht. Die Qualitätsstandards von HELIOS könnten in
Zukunft von allen deutschen Krankenhäusern angewendet und sogar noch verbessert
werden. Die Kollegen von Jörg Reschke stellten aber fest, dass eigentlich die
Krankenkassen einheitliche Qualitätsstandards festlegen müssten. Dennoch
betonten sie alle die Akzeptanz einheitlicher Qualitätsstandards. Die
Qualitätsvergleiche werden zu einem gesteigerten Wettbewerb zwischen den
Krankenhäusern führen und die Erfolge können durchaus als Marketinginstrument
verwendet werden.
Im Bezug auf die Qualitätsdebatte stellte Georg Baum fest, dass alle Krankenhäuser
schon heute eine Qualitätssicherung betrieben und dass ab Dezember 2008 ein
bundesweiter Qualitätsvergleich der Krankenhäuser möglich sein soll.
Darauf antworte Prof. Kersting, dass es für ein Krankenhaus auch noch sehr
wichtig ist die Zertifizierungsnormen zu erfüllen. Weiterhin beklagte er, dass
die Krankenhäuser bisher nicht die fehlenden Mittel von den Bundesländern
einklagen können.
Wir danken den DRK-Kliniken Westend für das Sponsoring, den Referenten für ihre Beiträge und Herr Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke von der TU Berlin für seine Moderation.
Text: Thomas Schneider (Berliner Wirtschaftsgespräche)
Fotos: Angela
Kijewski (Unternehmenskommunikation
der DRK Kliniken Berlin)
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