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BWG Dossiers > Bankwirtschaft im Umbruch

LBB-Verkauf: Gut für Berlin, schlecht für die Bankwirtschaft?

Dass der Verkauf der Landesbank Berlin an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband DSGV gut für Berlin ist, ist unstrittig: Finanzsenator Thilo Sarrazin erhielt 4,6 Mrd. für das Berliner Staatssäckel. Was der Deal für die deutsche Bankwirtschaft bedeutet, ist dagegen durchaus umstritten. Das zeigte sich am 27. Juni 2007 auf der Veranstaltung der Berliner Wirtschaftsgespräche zum Umbruch der deutschen Bankenwirtschaft.


Sarrazin: Höhe des Gebots war entscheidend

Für die einst krisengeschüttelte LBB, die laut Vorgaben der EU-Kommission in Brüssel bis Ende 2007 verkauft werden musste, hatten sich in der ersten Runde des Bieterverfahrens zunächst 19 Interessenten gemeldet. In der Schlussrunde setzte sich dann der DGSV gegen die Commerzbank durch. Ausschlaggebend war der höhere Gebot, wie Sarrazin betonte: Er hätte auch an „die Zentralbank von Dubai“ verkauft oder die LBB an die Börse gebracht, wenn das lohnender gewesen wäre.


DSGV: Lohnende Investition

Christian Achilles, Leiter Kommunikation und Medien beim DSGV, nannte die Gründe des DSGV für den Erwerb der LBB und rechtfertigte den hohen Preis: Erstens seien die Wirtschaftsaussichten in Berlin gut, zweitens sei die LBB nun die erste Landesbank, die sich ausschließlich im Sparkassen-Hand befindet, und drittens habe man verhindern wollen, dass ein privater Investor mit dem guten Namen der Sparkasse werbe.


Bankenverband: Der Preis war ein politischer

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken Hans-Joachim Massenbach, hielt Achilles vor, der DSGV habe einen politischen Preis gezahlt. Das könne sich eine börsennotierte Privatbank einfach nicht leisten. Sie müsse ihre Entscheidungen im Unterschied zur öffentlich-rechtlichen Sparkassengruppe gegenüber ihren Aktionären rechtfertigen.

Achilles wies den Vorwurf prompt zurück. Von einem politischen Preis könne nicht die Rede sein. Vielmehr haben langfristige strategische Überlegungen eine Rolle gespielt. Die Privatbanken hätten ihre faire Chance gehabt, sie aber nicht genutzt.


Große Banken braucht das Land

In den Scharmützeln zwischen Massenbach und Achilles manifestiert sich exemplarisch der Streit um die Zukunft der deutschen Bankwirtschaft. Weitgehend einig ist man sich, dass die deutsche Wirtschaft außer der Deutschen Bank zumindest eine weitere bedeutende Großbank braucht.

Da die Fusionsmöglichkeiten innerhalb des Privatbankensektors weitgehend ausgeschöpft sind, fordern die Privatbanken von der Politik, die Übernahme der öffentlich-rechtlichen Sparkassen zu ermöglichen. Bislang sind nur Übernahmen in der umgekehrten Richtung möglich. Berlin hat mit einer Reform des Sparkassengesetzes zumindest theoretisch dafür gesorgt, dass auch eine Privatbank die LBB hätte kaufen können. Doch die Chance wurde durch den Zuschlag für den DSGV vertan. Das bedauerte in der Diskussionsrunde sogar Finanzsenator Sarrazin. Doch da Brüssel auf den Verkauf zum höchsten Preis drängte, habe er keine Alternative gehabt.

Auf Seiten der Sparkassen wehrt man sich gegen das Ansinnen der Privatbanken, Sparkassen zu kaufen. Achilles warnte: Wenn man den Privatbanken ermögliche, sich die Filetstücke aus dem Sparkassenverbund herauszupicken, dann werde das die Sparkassen schwächen – zum Nachteil der Verbraucher. Zudem kämen möglicher Weise dann nicht deutsche Bieter, sondern internationale Investoren zum Zuge, so dass die gewünschte zweite deutsche Großbank neben der Deutschen Bank dann gar nicht entstehe.


Braucht das Land große Banken?

Dem Gastgeber der BWG-Veranstaltung wollte es nicht einleuchten, dass die deutsche Wirtschaft auf große deutsche Banken angewiesen ist: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kreditbank AG, Günther Troppmann, wies darauf hin, dass es die Global Player der deutschen Wirtschaft sind, die für große Transaktionen auf starke Banken angewiesen sind. Als international agierende Unternehmen hätten sie mit Banken aus anderen Ländern keine Berührungsängste. Der Standort des Finanzpartners spiele für die großen deutschen Unternehmen keine Rolle mehr. In der Tat: Für die Großen ist Kapitalknappheit kein Thema.

Zudem erwartet Troppmann eine zunehmende Internationalisierung der Banken selbst. Damit würde sich die Frage nach großen nationalen Banken ohnehin erledigen. Den von Troppmann gespielten Ball nahmen die anderen Banker erstaunlicher Weise nicht auf.


Was bringt die Zukunft?

Wie sieht die deutschen Bankenlandschaft 2017 aus? Sarrazin prognostizierte, die Deutsche Bank werde im internationalen Vergleich weiter an Bedeutung verlieren und etwa auf Platz 30 rangieren. Der DSGV sieht er dann strategisch besser aufgestellt als heute. Die Commerzbank wird nach seiner Prognose von einer ausländischen Bank übernommen. Im Übrigen zeigte sich Sarrazin wunschlos glücklich: Er habe keine Bank mehr, also auch keine diesbezüglichen Wünsche. (Bleibt zu wünschen, dass der Finanzsenator sich beizeiten wieder an die IBB erinnert!)


Starke Landesbanken

Sparkassenmann Achilles sah die Zukunft der Deutschen Bank – etwas gönnerhaft – rosiger als der Finanzsenator. Zur Zukunft der Landesbanken und Sparkassen führte er aus: Es werde keine „Superlandesbank“ in Form eines Zusammenschlusses aller Landesbanken geben, aber Zusammenschlüsse einzelner Landesbanken. Die regionale Sparkassenstruktur mit dem Plus der ausgeprägten Kundennähe bleibe erhalten. Sein Wunsch für die Zukunft: Weniger politische Diskussionen mit den Privatbanken, stattdessen einen Wettbewerb mit ihnen um Kunden.


Reformen

Massenberg schwankte zwischen Furcht und Hoffnung: Wenn sich nichts tue, werde deutsche Bankenmarkt weiter an Bedeutung verlieren. Doch er hoffe, dass der Druck so groß sein werde, dass ein Reformprozess in Gang kommt. Sein Zukunftswunsch: Die Politik möge den Mut finden, die überfälligen Reformen anzupacken, sprich: Privatbanken die Übernahme von Sparkassen zu ermöglichen.


Stärkere Direktbanken

Dem Vertreter der Direktbanken auf dem Podium, Troppmann, ist hingegen alle Furcht fremd: „Angst haben wir nie“, hatte er schon in seinem Eingangsstatement kundgetan. Die muss er auch nicht haben, wenn sich seine Zukunftsprognose erfüllt. Danach werden die Privatbanken Privatkunden verlieren – nicht zuletzt an die Direktbanken wie die DKB. Alle Direktbanken werden nach seiner Prognosse 2017 einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen. Für seine Bank wünschte sich Troppmann eine Verdoppelung der Mitarbeiterzahl.


Mehr Wettbewerb

Detlev Hummel, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam, sagte mehr Wettbewerb zwischen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken voraus. Der Wettbewerb werde zu innovativen Konzepten führen. Hummel betonte, dass gerade auch die Vielfalt der Bankenkulturen wertvoll sei. Auf Hummels Zukunftswunsch hätten sich wohl alle Beteiligten verständigen können: Er wünschte sich für die Zukunft starke Banken, die Jobs schaffen.
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Finanzsenator Thilo Sarrazin, Christian Achilles, Hans-Joachim Massenbach auf der BWG Veranstaltung am 27. Juni 2007.

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