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BWG Dossiers > Fachhochschulen in Berlin

Die Berliner Wirtschaftsgesprächen luden am 5. Februar in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kreditbank AG zu einem Expertengespräch über die Lage der Fachhochschulen in Berlin.

Unter dem Motto "Fachhochschulen in Berlin – Gut aufgestellt als wichtiger Faktor für die regionale Wirtschaft?" diskutierten Dr. Hans-Gerhard Husung, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin, Prof. Dr. Stefan Jähnichen, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST) und Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V., Prof. Dr.-Ing. Reinhard Thümer, Präsident der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH) und bis vor kurzem Sprecher der Berliner Fachhochschulen, Dipl.-Kfm. Klaus-Dieter Teufel, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. und Rainer-M. Geisler, Leiter des Stabs Großkundenbetreuung bei der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit (BA). Moderiert wurde die Veranstaltung von Frau Dr. Annette Fugmann-Heesing, MdA, Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung des Berliner Abgeordnetenhauses.

Nach der Begrüßung durch Günther Troppmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Kreditbank AG, setzte sich das Podium dann im wesentlichen mit drei Themenkreisen auseinander. Zuerst ging man der Frage nach, wie „sichtbar“ die Fachhochschulen in der Öffentlichkeit sind und wie wirksam sie ihre Aufgabe erfüllen. Hierbei war man sich weitgehend einig, dass die Fachhochschulen in der Öffentlichkeit bisher nicht stark genug wahrgenommen werden. Dies läge aber nicht an ihrer fehlenden Bedeutung oder Wirksamkeit. Als mögliche Ursache wurde zum einen darauf verwiesen, dass die Berliner Fachhochschullandschaft mit ihren sieben Fachhochschulen fragmentiert und für Außenstehende unübersichtlich sei. Es fehle ein gemeinsames Label. Aus dem Publikum wurde als denkbare Erklärung ergänzt, dass zum einen die Entscheidungsträger in der Gesellschaft oft Universitätsabsolventen seien und entsprechend weniger für die Fachhochschulen werben würden. Zum anderen hätten die Fachhochschulen im Vergleich zu den Universitäten eine wesentlich kürzere Tradition und wären daher noch nicht so in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Auf dem Podium wurde aber hervorgehoben, dass die fehlende Wahrnehmung nicht für die Unternehmen und Betriebe gelte. Die kurze Ausbildungsdauer und der Praxisbezug der Fachhochschulen würden hier durchaus sehr geschätzt.

In der Diskussion wurde auch die anstehende Fusion zweier Fachhochschulen angesprochen. Mit der Integration der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in die Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW) kommt Bewegung in die Strukturen der Berliner Fachhochschulen. Mit der Fusion, die mit der Empfehlung Zöllners gegenüber dem Senat im letzten Jahr einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist, wird eine Strukturveränderung umgesetzt, die vom Wissenschaftsrat schon lange empfohlen worden war. Der im Publikum selbst anwesende Rektor der FHVR, Prof. Dr. Hans Paul Prümm, nannte in diesem Zusammenhang die Größe der FHVR, die die kritische Marke für eine FH unterschritten habe, als einen wesentlichen Grund für die Fusion mit der FHW.

Die Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit der Fachhochschulen wurde auf dem Podium einhellig als sehr positiv eingeschätzt. Die Qualität der Absolventen – so war man sich einig – sei sehr gut. Der Präsident der TFH, Prof. Dr.-Ing. Thümer, machte die Leistungsfähigkeit der FHs an einer einfachen Rechnung deutlich: Mit etwa 10 Prozent der Mittel und 30 Prozent der Studierenden würden die FHs etwa 50 Prozent der Absolventen in Berlin stellen. Dies würde in der Öffentlichkeit aber zu wenig gewürdigt.
Konsens bestand auch mehr oder weniger darüber, dass die Forschungsleistung im Vergleich zur Lehre weniger bedeutsam sei. Dies liege aber im wesentlichen zum einen an der Größe der Fachhochschulen, die eine Einwerbung von Großforschungsaufträgen nicht erlaube, und zum anderen an ihrem Grundauftrag, der die praxisorientierte Ausbildung als wesentliches Ziel definiere. Auch auf die Fragmentierung wurde in dieser Hinsicht als Ursache verwiesen. Positiv hervorgehoben wurde in Bezug auf die Forschung dagegen die starke Anwendungsorientierung der Fachhochschulen. Mit einem gemeinsamen Forschungsinstitut aller Berliner FHs möchte man hier zukünftig eine einzige Adresse anbieten, an die sich die Wirtschaft mit Anfragen wenden könne.

Der zweite Themenblock drehte sich um die Frage des Verhältnisses der Fachhochschulen zu den Universitäten bzw. um die Einführung der BA- und MA-Studiengänge im Rahmen des Bologna-Prozesses zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Bildungsraums. Einig war man sich dabei in Bezug auf die Sinnhaftigkeit eines zweigliedrigen Ausbildungssystems. Unklarheiten bestanden aber in der Frage der Kompatibilität der beiden Systeme. Hier spielte auch die Frage nach den BA- und MA-Abschlüssen eine wichtige Rolle bei der Diskussion. Dabei ging es vor allem darum, ob die Abschlüsse, die ja einer Vereinheitlichung des Bildungsraums dienen sollen, den Wechsel zwischen Fachhochschulen und Universitäten begünstigen oder immer noch behindern. Als problematisch für den Wechsel wurde dabei die Arbeitsteilung zwischen den stärker praxisbezogenen FHs und den vor allem forschungs- bzw. wissenschaftsorientierten Universitäten insofern gesehen, da dies zu Absolventen mit unterschiedlichen Kompetenzschwerpunkten führen würde. Diese gewollte und sinnvolle Verschiedenartigkeit bei gleichzeitiger Gleichwertigkeit der Abschlüsse müsse beim Wechsel zwischen den Systemen berücksichtigt werden. So seien klare Regeln notwendig, die auch dafür sorgen müssten, dass strukturell bedingte Wissenslücken, also etwa im theoretischen Bereich bei den FH-Absolventen, bei einem Wechsel durch entsprechende Fortbildungsangebote ausgeglichen würden. Die Studenten müssten auf diese Problematik hingewiesen und entsprechend vorbereitet werden. Ansonsten wurde ein stärkerer Austausch durchaus positiv bewertet.

Kritisch angemerkt wurde seitens der Wirtschaft die Auswirkung der Umstellung auf BA / MA in Bezug auf die Praxisbezogenheit, da dieser das Praxisjahr zum Opfer gefallen sei. Bei den Personalverantwortlichen bestehe zudem die Angst, dass die FHs sich im Zuge des Bologna-Prozesses zu sehr den Universitäten annähern und damit von ihrer Anwendungsorientierung abrücken würden. Hier müsse noch diskutiert werden. Dem wurde entgegengehalten, dass die Studierenden durchaus noch Praxissemester einlegen könnten. Hier müsse man dann eben auch akzeptieren, dass die für den Bachelor vorgesehenen sechs bzw. sieben Semester nicht immer eingehalten würden. Dies sei dann aber auch durchaus vertretbar. Umstritten war auch die Frage, ob die kürzeren Ausbildungszeiten auch zu einem Weniger an Qualifizierung führen würden. Seitens der Wirtschaft bestehe zumindest Unsicherheit hinsichtlich der Bewertung der neuen Abschlüsse. Von der Politik wurde zudem auf das Problem hingewiesen, dass trotz Einführung der BA-Abschlüsse die Studiengänge dennoch nicht vergleichbar seien. Als Beispiel wurde angeführt, dass Studiengänge mit gleicher Fachausrichtung an den Berliner FHs unterschiedlich lange dauern würden. Diese würde die Mobilität zwischen den FHs einschränken.

Schließlich wurde noch über die Anforderungen, die die Wirtschaft an die Fachhochschulen stellt, diskutiert. Dabei drehte sich die Diskussion zum einen darum, ob oder wie gravierend ein Fachkräftemangel, vor allem bei Ingenieuren, in Berlin-Brandenburg bestehe. Rainer-M. Geisler von der Bundesagentur erläuterte, dass zwar seitens der Wirtschaft immer von einem gravierenden Fachkräftemangel gesprochen werde, dass bei genauerem Nachfragen der Bedarf aber eher bescheiden sei bzw. nicht gegenüber der Bundesagentur genau artikuliert würde. Oft habe man den Eindruck, dass die Unternehmen ihren Bedarf gar nicht genau kennen würden. Der Fachkräftemangel sei laut Geisler in Berlin und Brandenburg aber in den nächsten Jahren kein Problem. Klaus-Dieter Teufel vom VUB gestand zu, dass die Unternehmen oft wirklich nicht den Bedarf kennen und verwies dabei auf den Strukturwandel als Ursache. Fortbildungsangebote allein reichten aber nicht, wichtig sei auch, dass die Unternehmen selbst in Fortbildung investierten.

Staatssekretär Dr. Husung forderte, dass die Unternehmen mehr in Fortbildung investieren müssten, um Fachkarrieren zu ermöglichen. Viele angehende Ingenieure sähen die fachliche Ausbildung nur als Sprungbrett für den Gang ins Management. Bevor Fortbildungseinrichtungen mit öffentlichen Geldern geschaffen würden, müsste erst einmal der Bedarf ermittelt werden. Dem wurde aber entgegengehalten, dass es zum einen durchaus positiv zu bewerten sei, wenn Ingenieure im Management vertreten seien, dass es zum anderen aber noch immer genügend Absolventen gäbe, die in klassischen Tätigkeitsfeldern beschäftigt seien.

Prof. Thümer führte an, dass die FHs dem Fachkräftemangel natürlich durch die kontinuierliche Bereitstellung neuer Fachkräfte entgegenwirkten. Trotz im Vergleich zu den Universitäten wesentlich geringerer, aber in den letzten Jahren beständig steigender Studierendenzahlen hätten die Fachhochschulen jährlich etwa 5000 Absolventen, was im Verhältnis zu den 7.000 Absolventen der Universitäten hervorragend sei. Die Absolventen würden den FHs „aus den Händen gerissen“. Die Fachhochschulen engagierten sich aber auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung. Zumindest die beiden größten FHs in Berlin hätten – so Thümer – eigene Weiterbildungsinstitute.

Prof. Jähnichen (FIRST) hob ebenfalls die große Bedeutung des Bereichs Weiterbildung hervor. Bedingt durch den rasanten Technologiewandel und ständige Innovationen würde Wissen sehr schnell veralten und wertlos werden. Dies würde noch dadurch befördert, dass Ingenieure heute sehr stark spezialisiert seien und bei einem Technologiewechsel ihr Wissen plötzlich seinen Wert verlieren würde. Ständige Fortbildung sei daher dringend notwendig. Gerade in Berlin könnte man sich hier einen neuen Markt erschließen, der großes Potential habe.

In diesem Zusammenhang wurde auf mögliche und sinnvolle Kooperationen von Bundesagentur, Wirtschaft und Fachhochschulen verwiesen. Sowohl Rainer-M. Geisler von der Bundesagentur, als auch Klaus-Dieter Teufel vom VUB verwiesen in diesem Zusammenhang auf bereits bestehende und erfolgreiche Kooperationsprojekte.
AKTUELLE TERMINE
Veranstaltung vom 27.02.2008

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Hans-Gerhard Husung mit Annette Fugmann-Heesing