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Liegt die Zukunft in der Sonne? Innovationen in der (Berliner) Solarwirtschaft
Noch vor einigen paar Jahren hatten es Akteure im Solargeschäft oft schwer. Bisweilen als Ökospinner verschrieen fiel es ihnen angesichts noch billiger fossiler Energieträger und einem noch nicht in Gesellschaft und Politik angekommenem Klima- und Umweltbewusstsein schwer, Investoren für den Aufbau einer in die Zukunft orientierten Solarbranche zu finden.
Heute allerdings ist Deutschland nach Japan Vizeexportweltmeister im Solarbereich. Das im Jahr 2000 unter der rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Erneuerbare-Energiengesetz (EEG), das in seiner jüngsten Novellierung allerdings eine Reduzierung bei der Förderung von Solarstrom vorsieht, brachte auf dem Binnenmarkt den notwendigen finanziellen Anschub für die Branche. Seit dem Jahr 2000 bekommt jeder, der Solarstrom ins Netz einspeist, Geld. Plötzlich lohnte es sich also in diesem Bereich zu investieren.
Inzwischen hat sich eine lebendige Solarbranche entwickelt und Berlin wird immer mehr zu einem wichtigen Standort für die Solarwirtschaft und die dafür notwendige Forschung. Neue Ansiedlungen wie die Unternehmen Inventux oder Sulfurcell belegen das. Zwischen Forschung und Wissenschaft bestehen in diesem Bereich in Berlin ein reger Austausch und eine enge Verzahnung. So ist beispielsweise das Helmholtz-Zentrum Berlin GmbH für Materialien und Energien, das auch eng mit der TU Berlin zusammenarbeitet, an der Berliner Sulfurcell Solartechnik GmbH – eine Ausgründung des außeruniversitären Forschungsinstituts – als Gesellschafter beteiligt.
Doch wohin entwickeln sich die Solarenergie und die dazugehörige Branche? Welche technologischen Innovationen sind in der nächsten Zeit zu erwarten und welche Auswirkungen auf Effizienz, Konkurrenzfähigkeit zu anderen Energieformen und auf den Preis von Solarstrom werden daraus resultieren? Unter dem Motto Liegt die Zukunft in der Sonne? Innovationen in der (Berliner) Solarwirtschaft diskutierten auf dem Energieforum der Berliner Wirtschaftsgespräche am Montag, den 8. September 2008, Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden über die Entwicklungen und Chancen des Berlin-Brandenburger Solarstandorts.

Das Eingangsstatement von Dr. Sebastian Vogel, dem Autor der von der TSB Technologiestiftung Berlin jüngst herausgegebenen Studie „Das Technologiefeld Energie in Berlin-Brandenburg“ führte in konkreten Zahlen noch einmal die Bedeutung und das Potential der Solarbranche vor Augen. Sind im Moment noch etwa 1.500 Personen in diesem Bereich beschäftigt, so steigt die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich. Seit den letzten offiziellen Zahlen vom März 2008 seien – so Vogel – wohl bereits wieder 200 bis 300 neue Stellen entstanden. Die Solartechnik sei innerhalb des Technologiefelds Energie der am stärksten wachsende Bereich. Habe es früher nur die Solon AG in Berlin gegeben, so seien hier inzwischen fünf Unternehmen aktiv. Auch in Brandenburg gebe es etwa 2.200 Beschäftigte in diesem Feld.
Dr. Lars Podlowski ergänzte das Bild durch seine Ausführungen zum Beispiel der Berliner Solon AG. Nach der Gründung 1996, die mit privatem Geld und mit damals von der Mehrheit noch nicht geteiltem Vertrauen in die Zukunft der Solarbranche erfolgte, erlebte das Unternehmen nach einer Zeit der Höhen und Tiefen zu Beginn dann in den letzten Jahren befördert durch die neuen politischen Rahmenbedingungen einen schnellen Aufstieg. Das rasante Wachstum spiegelt sich beispielsweise in der nun schon zum dritten Mal notwendigen Ausweitungen und Verlagerungen des Firmenstandorts wider. Gerade entsteht – in unmittelbarer Nähe zur Forschung – der neue Firmensitz in Adlershof. Die Solon AG, die an ihrem Hauptsitz 400 Arbeitnehmer beschäftigt und im TEC-Dax geführt wird, ist zudem international aktiv und unterhält Standorte u.a. in Italien, der Schweiz und den USA. Sie gehört zu den zehn größten Modulherstellern der Welt und verzeichnet ein jährliches Wachstum von 60 bis 80 Prozent. Den Umsatz hofft man, im nächsten Jahr auf über eine Milliarde Euro steigern zu können. Ein großer Vorteil sei, so Podlowski, die große Erfahrungen, die man in den letzten Jahren habe sammeln können. Dies bringe nicht nur einen hohen Qualitätsstandard mit sich, man sei zudem in der Lage, sehr gut und zu einem frühen Zeitpunkt neue Trends zu erkennen.
Wie attraktiv das Geschäft mit der Sonne inzwischen ist, demonstriert
der Umstand, dass auch die Berliner GASAG sich in einer eigenen Abteilung für
Umwelt und Technologie u.a. mit diesem Thema beschäftigt. So wird
beispielsweise analysiert, wie man sich hier beteiligen könnte. Erste
Aktivitäten bei der Solarstromerzeugung gäbe es bereits wie
Dr. Guido Bruch von der
GASAG auf dem Podium erläuterte. Er betonte aber auch, dass die Solarenergie
wohl immer ein Bestandteil eines Energiemixes, auch in Konkurrenz zu anderen
Formen erneuerbarer Energie bleiben werde.
Professor Dr. Bernd Rech vom Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, das auch eng mit der TU kooperiert, brachte die Perspektive der Wissenschaft ein. Er beurteilte die Forschung und Entwicklung am Berliner Standort als breit aufgestellt, und zwar sowohl im Bereich Grundlagenforschung als auch bei der Technologieentwicklung. Trotz bestehender Kooperationen sei allerdings eine engere Vernetzung der Wissenschaft, von außeruniversitärer und universitärer Forschung notwendig, um dem großen internationalen Druck stand zu halten. Auch im Interesse der regionalen Solarwirtschaft müsse es das Ziel von Forschung und Entwicklung sein, die Solartechnik billiger zu machen. Einen wichtigen Schwerpunkt der Forschung in Berlin stellt die Dünnschichttechnologie dar, die einen flexibleren Einsatz von Solartechnologie erlaubt. Insgesamt sei es wichtig, den Prozess von der Grundlagenforschung bis zur wirtschaftlichen Nutzung zu verkürzen. Da Forschung teuer sei, müsse daher mehr investiert werden, gerade auch in die universitäre Forschung.
Von Verbandsseite brachte sich Dr. Uwe Hartmann von der
Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) in die Diskussion ein. Dabei hob
er die lange Tradition der DGS hervor, die bereits vor 32 Jahren gegründet
worden sei und sich – trotz Mitgliedschaft von Unternehmen – primär als
Verbraucherverband bzw. als Vertreter der Nutzer von Solartechnologie verstehe.
Bezüglich der Bedeutung des Standortes Berlin-Brandenburg hob Dr. Hartmann
hervor, dass Berlin innerhalb der DGS den größten Landesverband darstelle. Man
sehe die eigene Aufgabe vor allem in der Informationsverbreitung, die man durch
Buchpublikationen, eine eigene Solarschule, in der u.a. Architekten und Handwerker
im Bereich Solartechnik weitergebildet würden, und seit einiger Zeit auch durch
Consultingaktivitäten wahrnehme. So berate man z.B. Unternehmen wie Vivantes
oder die Berliner Stadtreinigung beim Einsatz von Solartechnologie. Kritisch
merkte
Dr. Hartmann allerdings an, dass der Markt für Solarenergie in Berlin relativ
schwach sei.
Mit etwa 10 Megawatt Energieleistung würde Berlin im Bundesvergleich
wenig Solarstrom produzieren. Gründe seien die geringe Fläche, vor allem aber
auch die vergleichsweise ungünstige Sonneneinstrahlung.

Bezüglich der Marktentwicklung war sich das Podium relativ einig bei der Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen. Die Solartechnik könne sich noch nicht alleine tragen. Der politisch garantierte hohe Preis für Solarstrom mache dieses Feld besonders interessant für Finanzinvestoren, denen es weniger um den Strom selbst gehe, als um die dabei zu erzielenden hohen Renditen. Daher seien Deutschland und, seit Einführung einer Förderung von Solarstrom, auch Spanien die größten Märkten und nicht etwa Länder, in denen die natürlichen Voraussetzungen besser seien. Dr. Podlowski wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass letztlich aber sinkende Preise bei der Solartechnologie dazu führen würden, dass Solarstrom konkurrenzfähig werden würde. Im Südwesten der USA, wo Strom sehr teuer sei, würden Solarkraftwerke wohl schon demnächst selbst am Markt bestehen können. Dr. Bruch wies darauf hin, dass schon heute Solartechnik aus China etwa 30 bis 40 Prozent billiger sei als in Deutschland. Dies würde zeigen, wohin sich die Preise zukünftig entwickeln würden. Diesem Preisdruck könne die Solon AG aber, wie Dr. Podlowski einwarf, durch gute Qualität standhalten. Die deutsche Technologie sei nicht die billigste, aber sie sei preiswert. Einig war man sich auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Solarstrom, die große Potentiale aufweise, vor allem angesichts der sinkenden Preise für Solartechnologie, die den Strom verbillige. Deutschland werde zwar ein großer Markt bleiben, aber im internationalen Vergleich an Bedeutung verlieren, wenn zukünftig nicht mehr die Förderpolitik den Erfolg von Solarstrom bestimmen werde.
Handlungsbedarf sah man abschließend im Bereich Ausbildung
von Fachkräften. Zwar sei gut ausgebildetes Personal bisher ein wichtiger
Standortfaktor von Berlin-Brandenburg bzw. Deutschland insgesamt, doch müsse
man hier weiter investieren.
Die Universitäten und Forschungsinstitute würden
bisher nicht den großen Bedarf der Unternehmen decken können. Auch die Forschung
müsse weiter ausgebaut und gefördert werden, da sie sich nicht so rasch
entwickelt habe wie die Unternehmen.
Text: Tobias Meyer ()
Fotos: Sven Treder ()
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