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Die Pharmaindustrie als globale Wachstumsbranche
Am
02. Juli 2008 veranstalteten die Berliner Wirtschaftsgespräche in der Berlin-Branden-burgischen
Akademie der Wissenschaften eine Podiumsdiskussion zum Thema: Pharmastadt Berlin.
Auf dem Podium saßen Dr. Dietmar Buchberger vom Deutschen Generikaverband
e.V., Rainer G. Jahn als ehemaliger Geschäftsführer der Klosterfrau Berlin
GmbH, Stephan Kress von der Sanofi Aventis Deutschland GmbH,
Dr. Michael
Warmbold von der Pfizer Pharma GmbH und Cornelia Yzer vom Verband
Forschender Arzneimittelhersteller e.V.
Stephan Kress berichtete, dass sein Unternehmen weltweit in über 100
Ländern etwa 100.000 Mitarbeiter mit 17.000 Forscher angestellt hat. In
Deutschland hatte Sanofi-Aventis im Jahre 2007 etwa 8.487 Mitarbeiter; davon 650 Auszubildende. In Berlin sind etwa 1740 Personen angestellt.
Der
weltweite Umsatz des Unternehmens betrug 2007 etwa 28.052 Milliarden Euro, wovon im Jahre 2007 ca. 4,54 Milliarden Euro in die Forschung und
Entwicklung investiert wurden. Alleine in Deutschland erzielt Sanofi-Aventis etwa 4
Milliarden Euro Umsatz. Hiervon flossen ca. 514 Millionen Euro in Forschung und
Entwicklung. Seit 5 Jahren verkauft Sanofi-Aventis auch Generika. Im Zuge der
Winthrop-Strategie versucht Sanofi-Aventis durch die Generikaproduktion die
Auslastung der eigenen Produktion sicherzustellen.
Dr. Warmbold präsentierte im Anschluss die weltweit führende Arzneimittelforschung der Firma Pfizer vor, die im Jahre 1849 in Deutschland gegründet wurde und während des
2. Weltkrieges zum größten Hersteller von Penicillin avancierte. Heute hat
Pfizer rund 87.000 Mitarbeiter mit 10.000 Forschern und erzielte im Jahre 2007
einen Umsatz von 48,4 Milliarden Dollar. Davon wurden 2007 etwa 8,1 Milliarden
Dollar in die Forschung investiert. Am 29.
September 2008 verlget Pfizer seine Deutschlandzentrale nach Berlin und schafft damit 500 neue Arbeitsplätze.
Cornelia Yzer vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VfA) hob die Bedeutung kleiner Pharmaunternehmen wie die Jerini AG und die Axxonis Pharma AG hervor. In Berlin arbeiten ca.10.000 Personen
in der Pharmabranche.
Besonders auffällig ist ihrer Meinung nach, dass die
deutschen Arzneimittelhersteller im Jahre 2007 mit einer Exportquote von 56,5
Prozent einen Spitzenplatz im Vergleich zu allen anderen Branchen einnahmen.
Dr. Dietmar Buchberger vom Deutschen Generikaverband e.V., der seinen Hauptsitz seit
fünf Jahren in Berlin hat,erklärte den Begriff Generika. Nach
etwa 10 bis 15 Jahren läuft der Patenschutz für jedes Medikament in Deutschland
aus. Danach dürfen die Generikaunternehmen selbst die Medikamente herstellen
und sie von den Pharmaunternehmen aufkaufen. Sie müssen daher nicht selbst
forschen. Nach der Auskunft von Dr. Buchberger gibt es momentan in
Deutschland etwa 60 Generikaunternehmen mit etwa 30.000 Mitarbeitern. Die
Generikaproduktion setzt die forschenden Pharmaunternehmen unter einen großen
Innovationsdruck, da die Preise für Generika um bis zu 70 Prozent günstiger
als die der Originalpräparate.
Die Vor- und Nachteile
des Pharmastandortes Berlin
Stephan Kress betonte vor allem die Vorteile des Pharmastandortes Berlin für sein Unternehmen. Er lobte die Möglichkeit der engen Verbindung zu der Politik und den Verbänden, den guten Kontakt zu dem wesentlichen Partner von Sanofi-Aventis wie z. B. Charité, Helios, Vivantes, die Möglichkeit zu Kooperationen mit Firmen wie Bayer-Schering, Berlin Chemie, Pfizer sowie Start ups in Buch und Adlershof und die Anziehungskraft der Hauptstadt für qualifizierte Mitarbeiter. Allerdings wies er darauf hin, das oft die Zeit fehlt um regelmäßigen Kontakt zu der Politik aufzunehmen.
Im wesentlichem bestätigte Dr. Warmbold von Pfizer diese Position und erklärte, dass ihm besonders die Vernetzung zwischen Forschung und Wissenschaft wichtig ist. Er lobte vor allem die sehr gut Biotechnologiebranche in Berlin.
Cornelia Yzer unterstrich, dass der Standort Berlin mit seiner sehr guten Infrastruktur, seinen hervorragend qualifizierten Mitarbeitern sowie seiner exzellenten klinischen Forschung im Marktzugang von Innovationen und der freien Preisbildung für patentgeschützte Medikamente einige Vorteile hat. Ihrer Meinung nach überwiegen durch die hohe Regulierungsdichte, die unverständliche innovationsfeindliche Kostendämpfungspolitik im Gesundheitswesen, den schwachen Heimatmarkt und das negative Image des Standortes im internationalen Wettbewerb aber die Nachteile des Standortes Berlin.
Dr. Dietmar Buchberger vom Deutschen Generikaverband e.V. kritisierte hingegen den Pharmastandort Deutschland insgesamt. Er meinte, dass die gesetzlichen Zwangsabschläge auf Generika, die komplizierte Herstellungserlaubnis durch die Bundesländer und die Überregulierung durch die europäischen Zulassungsbehörde für seine Branche sehr nachteilig sind.
Letztendlich zog Rainer Jahn eine positive Bilanz zum Pharmastandort Berlin. Er vertrat die Ansicht, dass noch genügend Flächen für die Ansiedlung neuer Pharma-unternehmen zur Verfügung stehen, und dass die Mieten in Berlin im Vergleich zu anderen Metropolen sehr günstig sind. Außerdem verfügt Berlin durch sein einzigartiges Kultur- und Bildungsangebot über zahlreiche weiche Standortvorteile.
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