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Am 1. Juli 2008 luden die Berliner
Wirtschaftgespräche an einen besonderen Veranstaltungsort ein: Die Spree.
Vom
Wasser aus sollte der Frage nachgegangen werden, welche bisherigen Entwicklungen
sich an den Ufern dieses wichtigen Berliner Flusses vollzogen haben und wie die
Zukunftsperspektive aussehen könnte.
Die Ufer der Spree – ein historischer Exkurs
KerstinLassnig (Vivico Real Estate GmbH) gab einen historischen Rückblick: 1870 wurde nahe des heutigen Hauptbahnhofes der Lehrter Bahnhof errichtet als einer der letzten Kopfbahnhöfe, der seinen Namen aufgrund der Verbindung von Berlin nach Lerthe hat. Der Lehrter Bahnhof war zu damaliger Zeit einer der schönsten Bahnhöfe. Die Bahnhöfe in Berlin waren schon zu damaliger Zeit wichtige Entwicklungsareale und hatten auch eine große Bedeutung für die Stadtentwicklung. Aufgrund der aktuellen Bebauung kann man sich heute kaum noch vorstellen, welche historischen Entwicklungen es in diesem Gebiet gegeben hat, so gab es dort beispielsweise einen großen Ausstellungspark, der inzwischen vom Senat wieder als Park hergerichtet wird. Bemerkenswert ist, dass die Urania ihren ursprünglichen Standort genau auf diesem Areal hatte, also genau neben dem heutigen Hauptbahnhof.
1994 gab es einen städtebaulichen Wettbewerb, aus dem eine Planung für das Areal um den Hauptbahnhof hervorgegangen ist. Diese Planung ist zugleich die Vorgabe für die Vivico, welche die dortigen Bauprojekte als der größte von drei Eigentümer des Areals entwickelt. Der südliche Teil des Hauptbahnhofes soll als Hotel- und Kongressstandort mit einem entsprechenden Kongresszentrum entwickelt werden. Der nördliche Teil des Geländes wird vor allem als Bürostandort entwickelt werden.
Der Humboldthafen, geplant und umgesetzt von Schinkel und Linné, ist Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden und im Zuge der Berliner Industrialisierung wurden entsprechend die Eisenbahnlinien und auch die Wasserstraßen entwickelt. Der Humboldthafen wurde als Verbindung zwischen Spree und Havel gebaut und genutzt und war zugleich der erste echte Hafen in Berlin, da zuvor Ladungen direkt an den Ufern der Spree be- und entladen wurden. Die Hafennutzung wurde nach 1945 eingestellt.
Das Entwicklungsgebiet Heidestraße (ca. 40 ha), welches zu einem gemischten Gebiet also zu einem Wohn- , Büro- und gewerblichen Gebiet entwickeln soll. Ein erster Schritt ist in diesem Areal bereits getan worden mit der Entwicklung des so genannten Kunst-Campus, wo weitere Galerien angesiedelt werden sollen.
Wirtschaftsstandort Spree
Das Gebiet in Moabit ist hoch industrialisiert, so Prof. Dr. Peter Lemburg (Bauhistoriker), was sich auch an den Ufern der Spree zeigt. In diesem Gebiet kann man zum Teil noch Gebäude von 1865 sehen, die gleichzeitig ein Hinweis darauf sind, wie zu jener Zeit die Berliner mit Ihrem Fluss umgegangen sind, denn vor allem chemische Fabriken, Vitriolfabriken und Färbereien waren dort angesiedelt. Dieses Gebiet und auch der KPM-Standort gehören zu den ältesten Industriegebieten in der Hauptstadt.
Moabit ist 1861 von Berlin geschluckt wordenals Standort für die Industrieansiedlung, auch Borsig hat sich dort angesiedelt und ist erst später nach Tegel gegangen. An der Lutherbrücke kann man die Ausläufer des Moabiter Lehrter Güterbahnhofs sehen, von dem von der Spree aus lediglich das Verwaltungsgebäude sichtbar ist und an den sich- dem Schwung der Spree folgend- die Wohnbebauung für Bundesbedienstete anschließt.
An einen weiteren Aspekt erinnerte Prof. Dr. Günther Seliger (TU-Berlin): Beispielsweise haben die Entwicklungen aus der Produktionstechnik die heute genutzten Sensoren für die Papierschnipsel-Analyse der zerstörten Stasiunterlagen inspiriert, welche u.a. im Institut in der Pascalstr. durchgeführt wurden. Das 1986 entstandene Institutsgebäude ist in kreisrunder Form gebaut worden und symbolisiert das wissenschaftliche „Versuchsfeld“, welches von den wissenschaftlichen Mitarbeitern umgeben ist.
Das Institut ist ebenfalls international sehr gut vernetzt, was sich unter anderem im Rahmen des internationalen Studiengangs „Global Production Engineering“ verdeutlichen lässt. Viele Studenten aus unterschiedlichsten Ländern wie China, Japan, Brasilien, Südafrika, Australien und Mexiko studieren in Berlin an jenem Institut.
Prof. Dr. Seliger betonte zudem die gute Entwicklung der Technischen Universität,
da diese seit einiger Zeit in der Disziplin der Mathematik ein so
genanntes „Matheon-Zentrum“ führt. Hierbei war die Perspektive, dass Mathematik
auch als Dienstleistung und als Anwendungsfeld für unterschiedlichste Techniken
verstanden werden kann, mit der ausschlaggebende Impuls. Mögliche
Anwendungsgebiete der Mathematik sind beispielsweise die Schaltung von
Kommunikationsnetzwerken, Planung von Routen mithilfe von Verkehrssystemen oder
auch Fahrpläne der Bahn. Vom Institut aus auf der anderen Uferseite hat man
inzwischen einen schönen Blick auf restaurierte Fabrikgebäude, die nun als
Lofts, Restaurants oder Büros genutzt werden.
Die Spree aus Senatssicht
Der Spreeraum wurde in der Berliner Vergangenheit bei der Stadtentwicklung immer etwas übergangen, führte Hella Dunger-Löper( Staatssekretärin Bauen und Wohnen) aus. Mit dem Fall der Mauer entstand nun die neue Möglichkeit, diesen Raum von Spandau bis Köpenick neu zu betrachten und zu bewerten und in die Planung mit einzubeziehen. Das neue Leitbild (http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtplanerische_konzepte/leitbild_spreeraum/) „Die Stadt an den Fluss bringen“ sieht nun die Hinwendung zum Fluss vor, so dass Wohnen am Wasser in einen neuen Mittelpunkt gerückt werden kann. Ein Beispiel für diese Umorientierung ist die Spandauer Wasserstadt. Auch in Kreuzberg ist vorgesehen, die Attraktivität des Wohnens am Wasser zu steigern, jedoch soll die Wirtschaft nicht völlig verbannt werden aus den zukünftigen Planungen, sondern wie am Beispiel Mediaspree weiterhin Teil der Planungen für die Spree sein. Es existieren bereits viele Uferwege und es werden neue entstehen, um die Öffnung zum Wasser und den Zugang für die Öffentlichkeit zu schaffen bzw. zu erhalten. Dort, wo keine Uferwege möglich sind, sind entsprechende Balkone oder ähnlich Vorrichtungen in Planung.
Mediaspree – eine Zukunftsperspektive?
Was ist MediaSpree? Eine Antwort auf diese Frage versuchte Christian Meyer (Geschäftsführer des Regionalmanagement mediaspree e.V.) zu geben. Seiner Ansicht nach bedeutet MediaSpree zweierlei, denn einerseits ist es ein neuer Name für einen gradlinig und relativ breiten Spreeraum von der Jannowitzbrücke bis zur Elsenbrücke, an dem drei Bezirke liegen. Andererseits handelt es sich hierbei um einen Verein, der vor ca. 6 Jahren gegründet wurde mit dem Ziel, diesen Spreeraum bekannt zu machen, um ihn dann entsprechend weiterentwickeln zu können. Es handelt sich hierbei um einen Zusammenschluss von 21 Investoren, Eigentümern, Projektentwicklern und auch Vertretern des Bezirkes und des Senats. Es soll auf diese Weise ein Standort geschaffen und Ansiedlung generiert werden.
Gegen diese Ansiedlung wurde eine Initiative „Mediaspree versenken“ gegründet, deren Forderungen jedoch nach Ansicht von Christian Meyer zu großen Teilen bereits erfüllt sind bzw. den Forderungen entsprechen.
Der mediaspree e.V. ist der Ansicht, dass ohne die Investoren und die bisherigen Entwicklungen kein Radialsystem oder ähnliches entstanden und so wird nach seiner Ansicht auch eine Zustimmung für den Bürgerentscheid nicht zum Abbruch der bisherigen Planungen für diesen Raum führen werden, da auch Wohnbebauung geplant ist und auch die Zwischennutzungen bisher vom Verein mit unterstützt wurden. Er sieht insofern eine missverständliche Darstellung der initiative „Mediaspree versenken“ als gegeben, zumal Bürger und auch der Senat und der Bezirk umfangreich an den Planungen beteiligt wurden.
Stadtentwicklung, so Hella Dunger-Löper, hat letztendlich die Aufgabe, die Entwicklung entsprechend der sich verändernden Rahmenbedingung zu gestalten und die Spree war ursprünglich der Standort für das Gewerbe und die Industrie. Später war die Spree auch Teil der Grenze zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Auffällig ist jedoch, dass die Hinwendung zum Fluss bei den Gebäuden bzw. bei der Bebauung selten bis gar nicht geschah, was in dieser Weise in anderen Städten in diesem Ausmaß nicht vorkommt. Diesbezüglich will die Senatsverwaltung eine Umgestaltung vornehmen. So beispielsweise hat sich der KPM-Standort zu einem sehr interessanten und attraktiven Gebiet entwickelt und die Entwicklung um dieses Gebiet herum wird noch weiter fortgesetzt werden. Bisher ist der nördliche Teil der City-West ist sehr von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Standorten geprägt, jedoch soll der Fokus dieses Gebietes zukünftig stärker kommuniziert und vermarktet werden, wofür ein „Kümmerer“ eingesetzt werden soll. Modell hierfür ist Adlershof im Südosten der Stadt.
Die unterschiedlichen Positionen zwischen MediaSpree Befürwortern und Gegnern kommentierte abschließend Prof. Dr. Lemburg: „Berlin ist eine kritische Stadt. Das war schon immer so und auch Schinkels Bauten wurden nicht immer nur gefeiert, sondern er hatte auch seine Kritiker.“
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![]() Christian Meyer (Geschäftsführer des Regionalmanagement mediaspree e. V.)
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Eindrücke von der Spreefahrt der BWG am 01.07.2008. (Zum Blättern auf das Bild klicken.)
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