Innovationspotenziale der Wissenschaft nutzenNirgendwo in Deutschland gibt es mehr Hochschulen und Forschungseinrichtungen als in Berlin, keine Stadt hat so viele kreative Köpfe versammelt wie die Hauptstadt. In der Wissenschaftslandschaft Berlins stecken enorme wirtschaftliche Chancen – aber wie lassen sie sich nutzen?
Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschung
Sollen aus innovativen Ideen von Forschern und Wissenschaftlern marktfähige Produkte werden, müssen die Ideen den Weg in die Unternehmen finden. Der gelungene Wissenstransfer ist Voraussetzung für den Markterfolg.
Das weiß man auch in Berlin: Die Stadt hat Strukturen aufgebaut, die den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern. Das Beispiel par excellence ist der
Adlershof mit 12 außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sechs Instituten der Humboldt Universität und 740 Unternehmen.
Als weitere Erfolgsstory gilt die Gründung des
Campus Berlin-Buch. In diesem Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark kooperieren Forschungsinstitute, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen, um gemeinsam die Biomedizin voranzubringen.
Konzentration auf StärkenWer erfolgreich sein will, sollte seine Stärken ausbauen. Genau darauf setzt auch die Innovationsstrategie für die Hauptstadtregion. Die Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben fünf zukunftsträchtige Kompetenzfelder identifiziert: Biotechnologie, Medizintechnik, Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), Verkehrssystemtechnik sowie Optische Technologie.
Für die fünf Kompetenzfelder sind unter Federführung der Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin (
TSB)
Masterpläne mit konkreten Zielen, Projekten und Maßnahmen erarbeitet worden. 2006 kam ein übergreifender Masterplan Cluster Gesundheitswirtschaft hinzu, der insbesondere Biotechnologie und Medizintechnik verzahnt.
Die Konzentration auf Stärken und Kompetenzfelder ist das eine, ihre offensive Kommunikation ist das andere: Dass Berlin in der Biotechnologie und in der Gesundheitswirtschaft Stärken hat, weiß man inzwischen in der Republik – als starke IuK-Region gilt in der Öffentlichkeit aber auch im Jahr 2007 vor allem München.
Strukturproblem: fehlende Großunternehmen Mit der Innovationsstrategie und seiner starken Wissenschaftslandschaft sieht sich Berlin gut gerüstet für den Innovationswettbewerb. Dennoch steht die "Stadt des Wissens“ vor einem strukturellen Problem. Darauf wies Harald Wolf, Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen von Berlin, hin: Es fehlen große Unternehmen, die die Leistungen der starken Berliner Wissenschaft nachfragen. Die Folge: In Berlin entstehen zwar die Produktideen, die Wertschöpfung findet aber woanders statt.
Einzelne mittelständische Unternehmen, die die Berliner Wirtschaft prägen, können die Rolle von großen Playern nicht übernehmen. Wolf sah in der stärkeren Vernetzung von KMU mit wissenschaftlichen Institutionen und in Unternehmenskooperationen wichtige Ansatzpunkte, um die Wertschöpfung in der Stadt zu halten.
Geld: Woher nehmen? Forschung und Entwicklung sind teuer – und nicht jedes Projekt führt zu einem Markterfolg. Kurzum: Innovation braucht Geld, insbesondere Risikokapital.
Angesichts der angespannten Haushaltslage Berlins wird das Land nur sehr begrenzt weitere finanzielle Mittel zur Förderung von Innovationen zur Verfügung stellen. Stattdessen setzt die Politik auf stärkere Anreize für anwendungsorientierte Forschung, gerade in den Fachhochschulen. Das betonte der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin, Prof. E. Jürgen Zöllner.
Umso wichtiger ist es, private Kapitalgeber davon zu überzeugen, stärker in Berlin zu investieren – sei es in Unternehmen, sei es in Kooperationsprojekte von Forschungseinrichtungen mit Unternehmen. Prof. Dr. Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin Berlin, empfahl auf der BWG-Veranstaltung, nicht nur auf Banken als Kapitalgeber zu schauen – ein Abramovich für die Wissenschaft wäre ihm willkommen.
Eine weitere Möglichkeit: Ein aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierter Fonds, wie ihn der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen aus dem Mai 2007 vorgeschlagen hat. Der Fonds soll die Umsetzung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und Erfindungen in neue Produkte und Verfahren verbessern.
Time matters!Kooperationen und Vernetzung, Konzentration auf Stärken, Mobilisierung von Risikokapital – zweifellos drei Erfolgsfaktoren in Innovationsprozessen. Faktor Nummer 4: Geschwindigkeit.
Die Time-to-market entscheidet oft über den Erfolg von innovativen Produkten. Umso wichtiger sind schnelle Entscheidungsprozesse etwa bei der Bewilligung von Fördergeldern. Genau daran hapert es aber häufig, da oft mehrere Instanzen an der Entscheidung beteiligt sind. Ein einfacher Ausweg ist vorerst nicht Sicht; hier zeichnet sich eine Aufgabe ab, die mehr Aufmerksamkeit der Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verdient.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie über den Servicebereich rechts.