Im Juli 2010 haben die Forschungs- und Bildungsminister Andrej Fursenko und Annette Schavan eine Partnerschaft Russlands und Deutschlands in der strategischen Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation verkündet und 2011 zum deutsch-russischen Wissenschaftsjahr erklärt. Dieses Wissenschaftsjahr soll der Vielfalt deutsch-russischer Forschungskooperationen eine besondere Sichtbarkeit verleihen und diese weiter stimulieren. Ziel ist es insbesondere, gemeinsame thematische Interessen zu identifizieren und dann Förderinstrumente für große Gemeinschaftsprojekte in der Spitzenforschung zu entwickeln.
Organisiert wird eine Vielfalt von Veranstaltungen, u.a. von der Leopoldina, der Deutschen Nationalakademie und der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die beiden Hauptstädte Moskau und Berlin verbindet eine gemeinsame, wechselreiche, Geschichte. Viele Wissenschaftler und Kulturschaffende aus Russland haben Zeiten ihres Lebens in Berlin verbracht und hier ihre Spuren hinterlassen wie zum Beispiel Metchnikow, Glinka, Nabokow, Kandinsky, Bely und viele andere. Auch heute leben Tausende russischsprachige Menschen in Berlin - Künstler, Musiker, Wissenschaftler, die die Brücke zwischen den Ländern und den Kulturaustausch beleben. In diesem Jahr werden 20 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Moskau und Berlin, verbunden mit vielfältigem Kulturprogramm, gefeiert.
Gesundheit und die Lebenswissenschaften sind in Russland wie in Deutschland ein gleichermaßen wichtiges Thema und ein besonderer Schwerpunkt im Rahmen des deutsch-russischen Wissenschaftsjahres 2011. Unter diesem Schirm findet im Rahmen des World Health Summit 2011 am Montag, den 24. Oktober ein Symposium statt mit dem Titel:
Gesundheit: „Berlin trifft Moskau“
In diesem Symposium wollen wir über unsere Grenzen hinweg blicken und Erfahrungen und Strategien im Bereich der Gesundheitswissenschaften, der Gesundheitsversorgung und der Gesundheitswirtschaft austauschen und Synergien ausloten. Im Mittelpunkt soll dabei die Situation in den beiden Hauptstädten unserer Länder diskutiert werden.
Moskau hat 10,6 Millionen Einwohner und spielt eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft Russlands. Der Anteil der Stadt am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes beträgt 20 Prozent, am gesamten Einzelhandel Russlands sogar 30 Prozent. Die Nachfrage und das Angebot nach Gesundheitsleistungen ist im Landesdurchschnitt groß: Moskau zählt heute fast 2000 Apotheken, über 400 Polikliniken, rund 100 Allgemein- und Fachkrankenhäuser, 53 Notfallstationen, 13 medizinische Forschungszentren und 7 Diagnosezentren.
Die Gesundheitseinrichtungen in der Stadt sind zum Teil jedoch sanierungsbedürftig: Viele Krankenhäuser müssen in Stand gesetzt, medizinische Geräte müssen ausgetauscht, die IT-Infrastruktur muss ausgebaut werden. Dennoch bleiben die Perspektiven positiv: Die russische Regierung steckt im Jahr 2011 viele Milliarden Rubel in das Nationalprojekt "Gesundheit", sie setzt dabei auf die Unterstützung einheimischer wie auch ausländischer Partner. Die Reform hat das Ziel, die Russinnen und Russen nicht nur besser medizinisch zu versorgen, sondern auch die kostenlose medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten.
Die Finanzkraft und die Investitionsbereitschaft in der russischen Hauptstadt bieten eine große Chance für deutsche Unternehmen, ihre Marktanteile am russischen Import von medizinischer Technik und pharmazeutischen Produkten noch weiter auszubauen. Auch der universitäre Wissenstransfer in der Gesundheitswissenschaft spielt dabei eine besonders wichtige Rolle.
Berlin hat 3,5 Millionen Einwohner, von denen über 200.000 im Bereich der Gesundheit und in der medizinischen und biologischen Forschung beschäftigt sind. Insgesamt gibt es in Berlin ca. 20.000 Krankenhausbetten, davon etwa die Hälfte in der öffentlichen Hand. Die aus der großen Dichte lebenswissenschaftlicher Forschungseinrichtungen und medizinischer Versorgungsangebote resultierenden Synergien sind schon heute große Stärken des Standortes.
Drei Volluniversitäten, die Charité-Universitätsmedizin Berlin als Herz der Gesundheitsstadt und viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im Bereich Lebenswissenschaften sowie der Biotechnologie Park Berlin-Buch mit über 40 jungen Startup Firmen bieten Gelegenheit für große Synergien. An der Charité werden diese Potenziale durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und die zielgerichtete Kooperation der biologischen Grundlagenforschung mit der klinischen Medizin und der Gesundheitswirtschaft in allen Bereichen wie z.B. pharmazeutische Industrie, Biotechnologie, Medizintechnik und Diagnostik konsequent weiterentwickelt.
Beide Metropolen haben den großen Bereich der Gesundheit zu Schwerpunkten erklärt. Dazu zählen exzellente Gesundheitsversorgung, innovative Forschung, Ausbau der Gesundheitswirtschaft und Aufbau von Technologie-Parks wie z.B. in Skolkovo in Moskau sowie Buch und Adlershof in Berlin. Dies sind beste Voraussetzungen für die weitere gute Kooperation und Innovationskraft der Gesundheits- und Partnerhauptstädte Berlin und Moskau.
Im Anschluss laden wir Sie zu einem kleinen Imbiss ein. Wir bedanken uns bei der Deutschen Kreditbank für die Gastfreundlichkeit.