Humboldt-Forum_Berlins-Mitte_--_Dossier

 

„Das Humboldt-Forum wird die Mitte Berlins positiv dramatisch verändern“ – so der Regierende Bürgermeister Michael Müller auf der gemeinsam Veranstaltung der Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. mit der DKB Deutschen Kreditbank AG

am Montag, 7. März 2016, 19:00 Uhr im Atrium der Deutsche Kreditbank AG, Taubenstraße 7-9, 10117 Berlin.

Begrüßung: 

Stefan Unterlandstättner
Vorsitzender des Vorstands der DKB Deutsche Kreditbank AG

Dr. Rudolf Steinke
Vorstand Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.

Podium:

Michael Müller
Regierender Bürgermeister von Berlin

Prof. Dr. Dr. hc. mult. Hermann Parzinger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Prof. Dr. Wolfgang Schäffner
Direktor des Hermann des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Gereon Sievernich
Direktor des Martin-Gropius-Baus (Berliner Festspiele)

Moderation:

Kerstin Lassnig
Vorstand Berliner Wirtschaftsgespräche e.V.

 

Das Humboldt-Forum ist das derzeit größte kulturpolitische Projekt Deutschlands. „In der historischen Mitte Berlins entsteht ein einzigartiges Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung.“ Im Humboldt-Forum soll die Kulturgeschichte der Welt auf neue Weise erzählt und erlebbar gemacht werden. Zugleich soll ein Forum geschaffen werden, um vorurteilsfrei und verständlich Lösungsmodelle für die wichtigen Fragen der Zukunft zu diskutieren. Es soll ein Ort des Austauschs werden und für ein respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander der Kulturen stehen.

Was wird das Humboldt-Forum beinhalten? In den Ausstellungsräumen im zweiten und dritten Obergeschoss des Humboldt-Forums werden die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst Platz finden. Die große Eingangshalle soll ein überdachter öffentlicher Treffpunkt für die Gäste aus aller Welt werden, „in dem sich Gastfreundlichkeit, Inspiration und Vitalität des Humboldt Forums auf überraschende wie einnehmende Weise offenbaren“. Im ersten Obergeschoss werden sich die Humboldt-Universität und die Stadt Berlin präsentieren. Und es wird ein Museum zur Geschichte des Standortes geben.

Das Humboldt-Forum wird ein Ort der Begegnung und des internationalen Dialogs sein, das wird Impulse auch für die Entwicklung der Stadt setzen. Berlin will sich mit seiner Geschichte, seiner spezifischen Perspektive und mit seinen ebenso geschichtlich bestimmten Erfahrungen des Dialogs der Kulturen aktiv in das Humboldt-Forum einbringen. Für die Gestaltung der historischen Mitte Berlins sollte abgewartet werden, welche Entwicklung durch die Eröffnung des Humboldt-Forums in Gang gesetzt wird und wie es die Mitte neu belebt. Die Touristen kommen aufgrund der Geschichte und Kultur nach Berlin. Sie werden auch wegen des Humboldt-Forums kommen: um dort den Dialog der Kulturen, der Wissenschaften und mit der Stadt zu erleben.

Das Humboldt-Forum wird ein öffentlicher Ort werden. In gewisser Weise war auch schon das Schloss weniger ein Ort der königlichen bzw. kaiserlichen Macht, als vielmehr einer der Kunstsammlungen. Die Kunstkammern im Schloss waren Ausgangspunkt für Sammlungen der Museen und der Humboldt-Universität. Und in den 1920er war das Psychologische Institut der Berliner Universität im Schloss untergebracht und führte hier u.a. gestaltpsychologische Experimente durch. Das Humboldt-Forum schlägt den Bogen dazu zurück.

Die Objekte der Museen werden im Humboldt-Forum nicht als Kunstwerke präsentiert werden. Es geht darum, die kulturelle Entwicklung als „Reise durch die Welt“ darzustellen. Wichtig ist, „nicht den kolonialen Blick zu perpetuieren“ (Hermann Parzinger) und eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen. Das Humboldt Lab Dahlem war eine wichtige Etappe auf dem Weg dahin. Es war eine Probebühne, ein Experimentierraum für neue Fragen, Perspektiven, Darstellungs- und Umgangsweisen für die Sammlungen. In den Bereichen der Dauerausstellung sollen immer wieder auch Räume für wechselnde Ausstellungen freigehalten werden. Es gibt inzwischen auch mit vielen Kulturen/ indigenen Völkern (d. h. deren Vertretern) Kooperationen und Gespräche. Durch sie werden u.a. neue Perspektiven auf die Sammlungen eingebracht. Die Gründungsintendanz wird für die Gesamtkonzeption ganz sicher auch noch inhaltliche Veränderungen einbringen. Anfang Oktober soll ein erstes Konzept vorgestellt werden. Der zentrale Gedanke ist das „Verbinden“: von Themen, Fragen, Institutionen, gesellschaftlichen Bereichen, Kulturen usw.

Die Humboldt-Universität will mit ihrem Beitrag im Humboldt-Forum Fragen und Problemstellungen vorführen und zeigen, wie Wissenschaft mit diesen umgeht. Es ist auch eine Chance, Disziplinen zusammenzuführen, die sonst nicht zusammenarbeiten. Die Humboldt-Universität versteht sich als Vertreter der Berliner Wissenschaft im Humboldt-Forum. Sie wird „nicht über, sondern mit den Kulturen“ (Wolfgang Schäffner) arbeiten. Eine große Aufgabe für die Humboldt-Universität ist es, Formate zu entwickeln, die die Arbeit und Forschungsprozesse von Wissenschaft anschaulich und spannend für ein großes und breites Publikum darstellen und vermitteln. Dafür sind beispielsweise die Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau zentrale Vorbilder und Impulse. Auch die Humboldt- Universität testet Darstellungsformate und Umgangsweisen (z.B. im Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“). Es soll im Herbst dieses Jahres ein Programm „Auf dem Weg zum Humboldt-Forum“ gestartet werden.

Das Humboldt-Forum kann beispielsweise von den Erfahrungen des Martin-Gropius-Bau als „virtuelles Universalmuseum“ profitieren. „Die Kunsthistoriker haben den großen Fehler gemacht, den Ethnologen deren Sammlungen alleine zu überlassen.“ (Gereon Sievernich) Das Humboldt-Forum ist die Chance, diesen Fehler zu korrigieren und die anderen Disziplinen (wieder) an die ethnologischen Sammlungen heranzuführen und so einen neuen Dialog und Umgang über und mit den Sammlungen zu befördern.

Das Humboldt-Forum wird im Ausland stärker und positiver wahrgenommen als in Berlin. Die aktuelle Phase ist ein „rites de passage“ (Gereon Sievernich). Das Humboldt-Forum steht nicht allein, es gibt global vergleichbare Projekte und Einrichtungen. Diese sind Maßstab, aber auch potentielle Partner für das Humboldt-Forum. Das Projekt bietet die Chance, internationale Partnerschaften für Berlin zu intensivieren und es können auf neue Weise ausländische Perspektiven nach Berlin geholt werden.

Ein Ziel für das Humboldt-Forum ist die sehr gute Zugänglichkeit, dabei spielt die Frage der Gestaltung der Eintrittspreise eine große Rolle, aber auch technisch-logistische Fragen wie Platzierung der Kassen, Parkplätze usw. Über das Humboldt Lab Dahlem und die Humboldt-Box wurde und wird das Publikum in die Konzepte des Humboldt-Forum einbezogen und deren Reaktionen aufgenommen. Zukünftig wird man in viel größerem Maße auch die neuen Techniken der Partizipation nutzen müssen und Möglichkeiten, die Besucher in die Sammlungen aktiv einzubeziehen, beispielsweise die Sprachen-Sammlungen durch sie zu erweitern. Es gibt bereits eine große „emotionale Beteiligung“ durch die Spender.

„Besucher, Besucher, Besucher, Besucherinnen, Besucherinnen, Besucherinnen!“ das wünscht der Direktor des Martin-Gropius-Baus, Gereon Sievernich, dem Humboldt-Forum. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, wünscht sich ein breit gefächertes Publikum, der Regierende Bürgermeister Michael Müller hofft, dass der Funke auch auf das Stadtmuseum Berlin überspringt und für den Direktor der Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität, Wolfgang Schäffner, soll das Humboldt-Forum das breite Publikum für Bildung, Wissenschaft und Kultur öffnen und interessieren.

Text: Kerstin Lassnig, Thomas Möbius

Humboldt-Forum_Berlins-Mitte_--_Dossier-2

Dossier downloaden